2010 – Bishorn (4153m)

18./19. August 2010
Zinal – Cabane de Tracuit – Bishornmit dabei:
Benedikt Dorschner
Benjamin Michelfelder
Chris Fritz
Christian Richardson
Pascal Siegel
Vincent Ehrmann

Nach der Besteigung des Gran Paradiso hatten einige von uns noch etwas Zeit um einen weiteren 4000er in Angriff zu nehmen.
Wenn man schonmal mit dem ganzen Material in den südlichen Alpen unterwegs ist, muss man das ja schließlich auch ausnutzen ;)

Nach einiger Suche im 4000er-Führer war der potentielle Gipfel gefunden: das Bishorn sollte erklommen werden.
Also fuhren wir von Pont aus los, um mitten in der Nacht im Talort Zinal anzukommen und am Straßenrand zu pennen.

Tag 1
Vorbereitungen und Aufstieg zur Hütte
Am nächsten Tag kauften wir die nötige Verpflegung und Karten ein und gönnten uns ein sagenhaftes Frühstück auf dem Parkplatz. Nachdem wir kurz vor unserem Aufbruch um 12 Uhr auf der Hütte anriefen, um 6 Plätze im Lager zu reservieren, mussten wir uns vom Hüttenwirt erstmal anhören, dass wir nicht im Strandurlaub sondern in den Bergen seien und uns gefälligst beeilen sollten um noch rechtzeitig zum Essen auf der Hütte zu erscheinen (Zinal: 1675m, Cabane de Tracuit: 3265m).
Nach einem reibungslosen Aufstieg in Rekordzeit (zur Verwunderung des Hüttenwarts, der sich dafür bedankte, dass wir so früh da waren) wurde erst einmal zünftig gevespert und die Toiletten mit Gletscherblick ausgekostet.
Nach dem Abendessen setzten wir uns im Schein unserer Stirnlampen in die Stube und planten mit Kompass und Karte den Marsch über den Gletscher. Der Hüttenwart segnete unsere Route als vernünftig ab und wir konnten nach der Vernichtung sämtlicher Rotweinvorräte endlich ins Bett. Allerdings fällt es einem auf über 3200m nicht leicht einen ruhigen Schlaf zu finden…

Tag 2
Gipfelbesteigung und Abstieg

Wie schon beim Gran Paradiso frühstückten wir so früh wie möglich (gut geschlafen hatte sowieso keiner) und machten uns Richtung Gletscher auf. Dieser war nach ca. 10 Minuten Fußmarsch erreicht und wir legten auch gleich die Steigeisen und Klettergurte an, seilten uns ans Gletscherseil an und nahmen die Eispickel in die Hand. Endlich wieder Eis unter den Füßen!
Nachdem uns einige 9er(!)-Seilschaften – gezogen vom Bergführer – überholt hatten, bogen wir leicht nach rechts ab, um unseren eigenen Weg zum Gipfel zu spuren. Dieser war zwar erheblich steiler als die “Normalroute”, hatte sich aber im Nachhinein als wesentlich sicherer (und natürlich auch verkehrsärmer) herausgestellt.
Wieder machte uns die Höhenluft zu schaffen, aber wir fanden ein gemeinsames Tempo und einen guten Rhytmus, bei dem keiner an seine Grenzen stieß. Bei einer Gletscherbegehung, bei der man gemeinsam an einem Seil hängt, ist psychologische Teamarbeit gefragt, die sich in einem einmaligen Gruppengefühl auszahlt!
Fast während des gesamten Aufstiegs war der Gipfel des Bishorns in Wolkenfetzen gehüllt, aber wieder meinte es irgendwer oder irgendwas gut mit uns und wir kamen in einem 30-minütigen Zeitfenster auf dem Gipfel an, in dem wir einen grandiosen Ausblick in die umliegenden Täler und auf den Gipfel des Weisshorns (4505m) hatten.
Nach diesem Genuss ging es wieder talwärts Richtung Cabane, teilweise laufend, rutschend und rennend. Stellenweise war der Gletscher zu dieser Zeit schon so vereist, dass man in kürzester Zeit und ohne einzusinken einige Meter ohne große Anstrengung im Laufschritt zurücklegen konnte. Bevor es in die sulzigere Spur der zahlreichen Seilschaften vor uns ging, erprobten wir noch die Haltekraft einer Eisschraube. Chri braucht sich keine Gedanken zu machen, sollte aber nächstes Mal schauen wie das Seil am Körper verläuft ;)
Auf den letzten 2 Kilometern auf dem Gletscher verschwand das ein oder andere Mal das Bein tiefer als einem recht war, aber durch rechtzeitige Vorwarnung, straffes Seil und einigen beherzten Sprüngen wurden auch diese langsam auftau(ch)enden Gletscherspalten bezwungen.
Zurück an der Hütte wurde der letzte Proviant verzehrt, um ihn nicht umsonst 2500 hm durch die Natur geschleppt zu haben. Nach dem Abstieg zurück nach Zinal ging es für die beiden Seilschaften in getrennte Richtungen weiter. Bene, Chris und Pascal brachen in neue Klettergefilde auf und Ben, Chri und Vinc machten sich Richtung Vandans auf, um auf den Spuren der Powder Party 2010 diese Gegend mal im Sommer per Biwak-Tour auszukosten.