2010 – Gran Paradiso (4061m)

Die Gipfelstürmer

Zeitraum: 15.-17.08.2010

Teilnehmer: Benjamin Michelfelder, Martin Brosig, Vincent Ehrmann, Robin Rahn, Flo Pier, Christian Richardson, Bene Dorschner, Pascal Siegel, Chris Fritz

Tag 0: Wurmlingen

Karlsruhe 15.08.2010 voller Aufregung packen wir unsere Ausrüstung in alle verfügbaren Autos. Jeder überprüft noch einmal, ob seine Ausrüstung komplett ist und schon geht es los in Richtung Süden. Unser erstes Ziel heißt wie so oft Wurmlingen-City, mittlerweile schon unser zweites Zuhause. Wie bei unseren bisherigen Abenteuern in den Bergen tanken wir hier noch einmal ordentlich Energie mit erstklassigem Wurstsalat von Bens Mutter und entspannen vor unserem ersten Viertausender. Abfahrt 05:00 Uhr am nächsten Morgen, vereinbaren wir und legen uns schlafen.

Tag 1: Anreise, 800Hm Aufstieg

5:00 Uhr….verschlafen sitzen wir in den Autos und fahren los. Schnell noch einen Kaffee an der Tankstelle geholt und schon cruisen wir in der nächtlichen Einsamkeit über die Landstraßen in Richtung Schweiz. Das Wetter unterwegs lässt jedoch zu wünschen übrig. Regen und Kälte, jedesmal wenn wir an einer Raststelle halten. Was uns am Gran Paradiso wohl erwarten wird?

Über die Autobahn geht es vorbei am Genfer See in Richtung Aostatal. Die Gipfel in der Umgebung sind mit frischem Schnee bedeckt. Dann endlich der San Bernadino Tunnel und schon sind wir in Italien. Das letzte Stück auf den engen Serpentinen lässt unsere vollgepackten Autos noch einmal ächzen bis wir schließlich um 14:00 Uhr den Parkplatz in Pont  erreichen.

Angekommen in Pont wird Material ausgepackt und getauscht, die Stiefel werden angezogen. Es ist kaum übersehbar, dass sich hier einer der leichteren 4000er der Alpen befindet, denn unzählig viele Bergsteiger kommen uns entgegen oder brechen auf. Ein Berliner Vater mit seinem Sohn berichtet uns, dass sie die Gipfelbesteigung auf 3600m, aufgrund von zu viel Schnee, hätten abbrechen müssen. Er entlässt uns mit seinen besten Glückwünschen und der Aussage, dass wir doch gut ausgerüstet seien und es daher bestimmt kein Problem sei, den Gran Paradiso zu besteigen.

In der Tat trägt jeder von uns in den folgenden 2 Stunden diverse Gegenstände wie Steigeisen, Pickel, Klettergurt, Karabiner und viel Essen rund 800Hm bis zum Refugio Vittorio Emanuelle II auf 2735m hoch. Das neblige Wetter verwehrt uns leider weite Ausblicke, jedoch können wir bereits erste verschneite und vereiste Hänge erblicken, was das Bergsteigerherz natürlich höher schlagen lässt. Direkt nach unserer Ankunft am Refugio wird erst einmal gevespert und wie es sich gehört brüderlich geteilt. Unsere immense Auswahl beinhaltet Schokolade, italienischer Salami, verschiedenste Bergkäse, gekochte Eier und alles was sonst noch dazu gehört. Mit vollem Bauch trainieren wir noch einmal das Spaltenbergen und warten auf das Abendessen.

Unser am Nachmittag zugeteiltes 9er Zimmer (ein von außen mit Holz beschlagener Container mit drei 3fach Stockbetten) außerhalb der Hütte lässt uns erahnen, mit welcher Art von Besucheransturm zu rechnen ist. Auch beim Abendessen teilen wir uns mit 50 Leuten den Gastraum. Gegessen wird zimmerweise in Schichten um allen Gästen ein Abendessen zu ermöglichen. Nach dem Essen und ausreichend Schnupftabak geht es dann zum Schlafen zurück in unseren Container, da wir uns für das Frühaufsteher-Frühstück um 4:00 Uhr morgens angemeldet haben.

Tag 2: Gipfelbesteigung, 1300Hm Aufstieg, 2100Hm Abstieg

4:00 Uhr morgens, kein Mitglied unserer Gruppe wirkt wirklich erholt und am liebsten würde jeder liegen bleiben. Doch Aufregung und die Aussicht auf ein Frühstück treiben uns aus den Betten. Nach dem obligatorischen Schnupf am Morgen (zur Förderung der Konzentration), packen wir unsere Sachen und brechen im Schein unserer Stirnlampen auf in Richtung Gletscher. Wir sind glücklicherweise eine der ersten Gruppen und stehen kaum in Stau. Angekommen am Gletscher gegen 6:00 Uhr legen wir mit der ersten Sonne unsere Steigeisen an. Der Himmel ist klar und wir können am Rand der nächsten Gebirgsgruppe die leuchtende Spitze des Mont Blanc erkennen.

In zwei Seilschaften steigen wir weiter auf und merken zunehmend die Höhe, die dünne Luft lässt die Schritte langsam und schwer werden. Doch wir werden belohnt mit einem grandiosen Ausblick während des Aufstiegs. Die Sonne, die langsam über den Gipfelgrat aufsteigt und der eisige Wind, der den Schnee aufwirbelt und jedem von uns ins Gesicht schlägt schaffen eine Atmosphäre die  Schmerzen vergessen lässt und uns weiter nach oben treibt.

Gegen 12:00 Uhr erreichen wir den Gipfel. Nachdem wir in der Gipfelschlange kurz gewartet haben, besteigen wir das Felspodest mit der für den Gran Paradiso typischen Madonna und liegen uns voller Freude in den Armen. Hinter uns drängt schon ein schweizer Bergführer mit seinen schnaufenden Kunden an uns vorbei. Weder Bergführer noch Klientel sehen wirklich erfreut aus und schon seilt der Bergführer seine Gruppe vom Gipfel ab. Wir quittieren dieses Verhalten mit Kopfschütteln und freuen uns über die unglaubliche Aussicht vom Mont-Blanc bis zum Matterhorn bevor wir uns selbst vom Gipfel abseilen.

Glücklich über unseren Gipfelerfolg steigen wir bis ins Tal ab und genießen dabei das perfekte Wetter.