2012 – Monte Rosa Tour

Tag 1 – Anreise und Aufstieg

Am Dienstag den 14. August brachen wir (Mario, Marc, Matze, Torsten und Till) am späten Vormittag nach Staffal auf, zur diesjährigen Monte Rosa Tour. Eine lange Autofahrt mit diversen Passkontrollen, Schappseinkäufen und Extratouren auf Italienischen Autobahnen später kamen wir irgendwann gegen 19 Uhr im Tal auf 1800m an.
Schnell hatten wir unsere Rucksäcke abmarschbereit und wir stiegen gemütlich die 575 Höhenmeter bis zum Refugio Gabiet auf. Dort angekommen haben wir sogleich unsere bevorstehende Tour mit einem frischgezapften Bier, ner ordentlichen Brotzeit inklusive Pizzaschnecken (Danke Nadine) und natürlich exquisitem, italienischem Rotwein gefeiert.

Tag 2 – Hüttenaufstieg

Nachdem für den nächsten Tag nur der Aufstieg zur Capanna Gnifetti auf 3647 Metern Höhe anstand, haben wir erstmal richtig ausgeschlafen und sind nach gutem Frühstück über Bergwiesen, kleinen Gletscherbächen, Stein- und Schneefeldern bis zum Fuß des Gletschers gelaufen. Die Stimmung war trotz leichter Wolken am Himmel super und wir kamen zügig voran. Für die letzten 100 Höhenmeter mussten wir dann doch noch die Steigeisen aufziehen. Gegen 15 Uhr hatten wir die Gnifettihütte erreicht und wurden schon mal mit einem herrlichen Ausblick von der Terrasse belohnt. Unser Fünferzimmer war sehr geräumig, besonders da für Marc ein extra Kabuff mit Furzgraben zur Verfügung stand. Abends wurden wir von der überaus netten Hüttencrew mit einem 3-4 Gänge Menü verwöhnt. Da lohnen sich auch die 58 Euro für die Halbpension.

Tag 3 – erster Gipfeltag

Der Donnerstag war der erste Gipfeltag. Nicht weniger als vier offizielle 4000er standen auf dem Programm. Um 4.30 Uhr gabs Frühstück, um 5 Uhr sollte Abmarsch sein. Doch kaum hatten wir unsere Ausrüstung angelegt, fing es an zu Schneien. Nach kurzem Abwarten und Beraten, entschieden wir uns doch dazu loszulaufen. Sobald sich die Situation zu verschlechtern drohte wollten wir umkehren. Da die meisten anderen Gruppen das Wetter scheuten konnten wir weitgehend die Menschenmassen hinter uns lassen. Die erste Stunde liefen wir in unserer Fünferseilschaft im Licht unserer Stirnlampen den Gletscher hinauf. Der untere Teil hatte doch mehr Spalten als erwartet und wir mussten recht aufpassen wo wir hintreten. Als schließlich die Sonne aufging hörte es auch das Schneien auf. Die Spur führte uns über einen schmalen Firngrat zur 4341m hohen Ludwigshöhe. Die dünne Luft machte uns durchaus zu schaffen und so war der Aufstieg recht anstrengend. Aufgrund der Wolken blieb die grandiose Aussicht aus, aber der erste Gipfelschnaps des Tages entschädigte uns ausreichend. Drei weitere sollten folgen. Als nächstes Stand das Schwarzhorn mit 4322m auf dem Programm. Hier stellte sich die Besteigung etwas schwieriger dar. Es galt eine Spalte mit direkt dahinterliegendem 50° steilen und 25m hohen Anstieg im vereisten Firn zu bewältigen. Endlich konnte die volle Leistungsfähigkeit der Steigeisen und des Eispickels getestet werden. Trotz dieser Herausforderung haben alle Tourenteilnehmer ihren zweiten 4000er des Tages gemeistert. Nicht mal 30 Minuten später standen wir schon auf der Nummer Drei. Der mit 4176m Höhe kleinste 4000er unserer Tour wartet immerhin mit kombiniertem Gelände, Eisensprossen, Biwackschachtel und Jesus auf. Schnell nen Fototermin mit Jesus und nen Schnappes, dann gings weiter. Zuletzt nahmen wir noch den langen Aufstieg zur 4215m hohen Vincent-Pyramide in Angriff. Oben öffnete sich die Wolkendecke etwas und wir konnten die atemberaubende Aussicht erahnen, die sich bei bestem Wetter bieten würde. Beim Abstieg zur Gnifettihütte zeigte sich die Sonne dann doch noch und wir kamen richtig ins Schwitzen. Der Nachmittag und Abend wurde mit Vesper, Schläfchen, Karteln und Abendessen verbracht. Nachdem die vorangegangene Nacht für einige Tourenteilnahmer nicht ganz so erholsam war, gingen wir früh schlafen.

Tag 4 – zweiter Gipfeltag

Am nächsten Morgen und dem zweiten Gipfeltag starteten wir ein bisschen später (gegen Sechs Uhr) und liefen mit dem Sonnenaufgang bei wolkenfreiem Himmel los. Wir stiegen wie am Vortag bis auf circa 4200m auf und steuerten dann auf die Parrotspitze mit 4432m zu. Die Aussichten ins Tal waren schon vorher sehr beeindruckend, aber als wir die steile Firneiskletterei und den 300 Meter langen Grat bis zum Gipfel hinter uns hatten wurden wir von strahlend blauem Himmel, einem Meer aus weißen Schäfchenwolken, dazwischen aufragenden Bergspitzen und einem direkten Blick aufs Matterhorn überwältigt. Adrenalin und Endorphine taten ihre Arbeit und wir genossen den visuellen Lohn für unsere Mühe.

Es folgte der geographische Höhepunkt unserer Hochtour. Die 4563m hohe Zumsteinspitze mit kombiniertem Gelände stellte auch technisch die größte Herausforderung dar. Auch hier war der Blick alle Mühe wert und wir wurden abermals mit einem unvergleichlichen Blick aufs Matterhorn belohnt. Als letztes mussten wir „nur“ noch den Aufstieg zur Signalkuppe und somit zur Capanna Margherita meistern. Der steile Anstieg auf 4554m kostete nochmal viel Kraft und Willen, aber schließlich hatten es alle geschafft. Die Capanna ist das höchste Gebäude Europas, was sich auch bei den Preisen bemerkbar macht. Ein Liter Wasser 6,- Euro, Abendessen 30,- Euro. Aber wir hatten ja vorgesorgt und hatten jeder noch reichlich Brot, Salami und Bergkäse dabei. Der Sonnenuntergang direkt überm Matterhorn war ein weiterer Hingucker des Tages. In der Nacht machte sich bei einigen von uns die Höhe mit ordentlichen Kopfschmerzen bemerkbar, zudem waren alle durch die trockene Luft und die Wärme im Zehn-Mann-Schlafraum extrem dehydriert. Was uns aber trotzdem nicht davon abhielt um Mitternacht den Sternenhimmel und die Lichter von Turin zu bewundern.

Tag 5 – Abstieg

Um halb sechs Uhr bestaunten wir den Sonnenaufgang und bildeten uns ein, tatsächlich die Erdkrümmung am Horizont erkennen zu können. Daraufhin starteten wir unseren Gewaltmarsch ins Tal. 2754 Höhenmeter wurden innerhalb von 5,5 Stunden vernichtet. Einzig unsere erfrischende Dusche unter einem Gletscherbach und ein paar Riegel und Pinkelpausen verschafften uns etwas Erholung. Richtig fies war auch der Temperaturunterschied von 35° C zwischen Gipfel und Tal.
Unten gönnten wir uns ne ordentliche Pizza und eiskalte Cola in der autentischen Pizzeria „New York“. Eigentlich konnte jetzt nix mehr schief gehen. Bis kurz nach Achern die Autobahn vollkommen gesperrt wurde und wir 1,5 Std mit Rumstehen, Rumlaufen, Ballspielen und zu Guter Letzt einem Blaßorchesterkonzert einer hinter uns stehenden Reisegruppe verbrachten.
Am Ende dieses 17-stündigen Marathons kamen wir geschafft aber glücklich in Karlsruhe an. Besonderer Dank geht an Mario und Marc, die das ganze Ding organisiert hatten. Nächstes Jahr gerne wieder…