2011 – Piz Palü (3905m)

10.4.2011 Benjamin Michelfelder

Bei herrlichen Sonnenschein und stahlblauem Himmel machen wir, Pascal, Bene und ich uns auf den Weg in Richtung Piz Palü. Der Parkplatz liegt auf 1890m. Zu Fuß stapfen wir ca. 3km eine Loipe entlang, bis wir an der Spitze des Morteratsch Gletschers ankommen. Dort bewaffnen wir uns mit Schneeschuhen bzw. mit Ski und steigen 600hm bis zu unserer Mittagspause auf.

Nach ein paar Pfefferbeißern und einem herzhaften Ranken Bergkäse kämpfen wir uns über den Fortezza Gletscher, der sich ordentlich zieht, nach oben. Die Sonne brennt extrem und das Wasser läuft uns nur so runter. Der Blick über den Gletscher ist atemberaubend. Es ist keine Menschenseele weit und breit. Doch all das ist nichts gegen den Anblick des Piz Palü von Norden her, der sich auftut wenn man den Sattel auf 3122m oberhalb des Fortezza Gletschers erreicht. Gewaltige Hängegletscher thronen zwischen den gewaltigen Felsrippen des Berges. Das bläulich schimmernde ewige Eis wirkt so bedrohlich und zugleich so wunderschön. Vor dieser Kulisse graben wir einen Windschutz für die Nacht, schmelzen Wasser und  kochen Spaghetti Bolognese. Bereits kurz nach Sonnenuntergang liegen wir in unseren Schlafsäcken, schauen noch einmal in Richtung unseres großen Ziels und schlafen ein.

Um 4 Uhr stehen wir auf packen alles zusammen und ziehen in Richtung Fortezza. Kurz nach Sonnenaufgang kommen wir an einer der Schlüsselstellen des Fortezza Grates, die uns bei den reifartigen Schneeverhältnissen zu kritisch vorkommt an. Daher beschließen wir ca. 150hm ab zu steigen und durch den Foura Gletscherbruch in Richtung Bellavista zu streben. Der Weg führt zwischen gewaltigen Eistürmen bis auf 3600m. Im oberen Bereich des Gletschers müssen wir die Schneeschuhe und Ski auf den Rucksack schnallen, da es zu steil ist um auf der gefrorenen Schneedecke nach oben zu gelangen ohne sichere Fußtritte zu schlagen. Von hier aus laufen wir durch das Bellavista Tor auf die ewig weite Gletscherhochebene namens Altipiano di Fellaria (Italien). Hier schlagen wir erneut ein Lager für die Nacht auf. Mit Hilfe unserer Isomatten errichten wir ein kleines Solarkraftwerk. Dank dieser Konstruktion gelingt es und am Nachmittag fast 6 Liter Schnee zu schmelzen.  Grund für diese Aktion ist, dass unser Benzin im Kocher schon zu 2/3 aufgebraucht ist. Wieder bei Sonnenuntergang legen wir uns in unsere Schlafsäcke essen Bacherbsen, trinken ein Schnäpschen und trällern ein paar Lieder bevor wir einschlafen.

Nach einer recht frischen Nacht auf fast 3800m Höhe brechen wir noch im Dunkeln mit Stirnlampen auf um den Gipfel über den Westgrad zu erreichen. Über eine südlich exponierte Flanke kraxeln wir mit Steigeisen und Pickel bis an eine Felsband, welches und uns vom Grad trennt. Es sieht cool aus wie sich der Reif, den wir mit unseren Füßen lostreten im Schein unserer Stirnlampen in die Tiefe stürzt. Dabei glitzert er fast unwirklich, ein kleines bisschen Magisch. Wir nutzen eine kleine Schneebedeckte Schneise um durch das Felsband auf den Grad zu gelangen. Von dort aus ist es einfach auf den Gipfel es Piz Palü (3905m) zu gelangen. Der Horizont leuchtet bereits rot-orange als wir am Gipfel ankommen. Nur wenige Minuten später geht die Sonne auf. Es geht ein eisiger Wind, doch die Sonne gibt einem ein Gefühl von Wärme. Nach den obligatorischen Gipfelphotos laufen wir auf einem extrem exponierten Grad, der den Namen „Gartenmüherli“  besitzt zum Ostgipfel. Dann machen wir uns auf den Weg nach unten. Auf den Weiten des Pers Gletschers graben wir uns eine bequeme Bank und lassen die letzten Tage mit Blick auf einen der schönsten Berge der Alpen noch einmal Revue passieren.