2009 – Alpencross

20. bis 25. August 2009
von Oberstdorf zum Comer See
300 km, 9000 hmmit dabei:
Benjamin Michelfelder
Christian Richardson
Florian Pier
Robin Rahn
Vincent Ehrmann

Tag 0
Die Odyssee

Nach wochenlanger, langfristiger Vorbereitung in Form von Bike-Training im Schwarzwald – bei den einen mehr, bei den anderen weniger [60km, 1500km], tagelanger mittelfristiger Vorbereitung in Form von Fahrradreparaturen, Fahrradumbauten à la „Pimp-my-bike“ → die Fachschaft-WiWi wurde praktisch zur öffentlichen Werkstadt umgebaut und Vinc zum Chef ernannt (selbst!) und schließlich kurzfristiger stundenlanger Vorbereitung (halbe Pastaparty, packen, laden, verabschieden) geht es los!

Zu fünft mit vollbepacktem Rahn’schem Chevrolet-Van von Karlsruhe in Richtung Oberstdorf.
1. Halt: Aldi, dm und Max Bahr um letzte Provianteinkäufe zu erledigen.
2. Halt: Haltebucht auf der A8 kurz vor Leonberg.
Warum? Man weiß es selbst nicht genau, hat aber folgende Alternativen:
1. Bens Bleifuß
2. des Autos Abneigung gegen problemlose Fahrten
3. Abenteuerlust…
…wir entscheiden uns für letztgenanntes -klar- Abenteuer! (Ist ja schließlich Sinn der ganzen Sache) und lassen uns vom ADAC zur Werkstadt in Leonberg abschleppen. Desweiteren entscheiden wir uns innerhalb von 20 Minuten zu entladen, endgültig zu packen und letztlich in gefühlten 5 Minuten durch ganz Leonberg zu rasen (mittlerweile auf den Rädern und in voller Montur), um gerade noch rechtzeitig den von Chris Dad abgecheckten Zug zu erreichen.

Die Zugfahrt verläuft vorläufig gut! Läuft also -endlich!- bis Immenstadt. Vinc liest falsches Gleis, was zur Folge hat, dass man den Anschlusszug verpasst, was zur Folge hat, dass man wiederum mit dem Rad weiter muss (problematisch dabei eigentlich nur die Uhrzeit – es ist halb 1 (nachts!) und die damit verbundene Dunkelheit). Unsere mit Stolz getragenen Stirnlampen helfen dabei allerdings weiter.
Trotz relativ guter Sichtverhältnisse (Stirnlampen und so…) liest diesmal Chri ein falsches Schild, bzw. erfindet einen Dorfnamen, der angeblich von Freunden übers Handy durchgegeben worden war.
Glücklicherweise hilft uns ein Bayer, (der Robins Meinung nach Roger Federer heißen muss,) samt seiner Begleitung, (die zwar gut aussieht, im Nachhinein aber offensichtlich ein bisschen lustlos war) nach geschlagenen 300 Höhenmetern [hm] weiter und bewegt uns zum Umkehren.

Die restlichen 20 km entlang der Iller verlaufen seltsamerweise ohne Zwischenfall.
Letzte Hürde zur Jugendherberge, mit der wir (“wir” weil Flo zwar telefoniert, sich dabei aber als Robin ausgibt) praktisch ununterbrochen in Kontakt stehen, sind die 150 hm die wir von Oberstorf tatsächlich noch einmal hinauf müssen.
Gegen 3 Uhr (!) kommen wir endlich an und sind, obwohl müde, immer noch begeisterungsfähig. Und zwar zum einen von einem schier unglaublichen Trinkwasserspender (mit Kohlensäure) und zum anderen vom Abendessen/Nachtmahl, das bis zu diesem Zeitpunkt auf unserem Zimmer, vom Ziwi hergerichtet, auf uns gewartet hat.
Mit einigermaßen vollem Bauch legen wir uns das erste Mal zur Ruh’…

Bens Satz: “Tischlein deck’ dich”

 

Tag 1
Der erste Dämpfer Schwinger

Halb 8. Der Wecker klingelt. Wir stehen auf, machen uns fertig, frühstücken, packen und schmieren uns teilweise den Arsch voll Ringelblumensalbe. “Für den Geruch…und das Gefühl…”
Los geht’s also gegen halb 10. Zu spät eigentlich, aber was soll man machen. In der Ruhe liegt die Kraft und Hauptsache ein geschmeidiges Gefühl überm Sattel.

Vinc führt an, oder vielmehr sein perfekt programmiertes GPS. Es geht hinauf im Duell mit irgend ‘nem fetten Sack. Hinauf zum Schrofenpass. Während Bens Reifen quietscht und Robins Knie anfängt zu stechen, erreichen wir das erste Mal die 1000m Marke (vertikal). Das letzte Stück hoch zum Pass müssen die Bikes getragen werden – relativ easy und unspektakulär, im Vergleich zu dem, was angekündigt war.

Anmerkung 1 (von Ben)
Die PP-Extreme-Flagge:
58g Stoff
2g Faden
3g Farbe

Oben angekommen übersehen wir glatt den Pass vor lauter Gimmik (neue PP-Extreme-Flagge in neongrün, die Ben stolz präsentiert). Konsequenz: 15-minütiger Aufstieg, der auf halber Strecke zu unserem ersten potentiellen Gipfel abgebrochen wird, da Vinc einfällt das GPS zu checken, welches uns dann doch zum Umkehren rät. Gesagt getan. Es folgt eine rasante Abfahrt, die ihre ersten Opfer kostet. Man weiß nicht, ob es an Vinc’ Klickpedalen oder an seinem Mountainbikeabfahrtsvermögen (Vinc kommt vom Rennrad) gelegen hat, doch jedenfalls bekommt die unten wartende Gruppe plötzlich einen stark gebeutelten Kameraden zu sehen, der mit blutverschmiertem Knie und bleichem Gesicht den Anschluss findet. Nach schneller Verarztung des Betroffenen geht die Tour weiter.

“Als hätte diese Flagge es schon tausende Male gemacht, wehte sie voller Stolz im Wind, als sie das erste Mal am Schrofenpass das Licht der Welt erblickte.” (das ist gleichzeitig auch Bens Satz)

Nächstes Highlight ist ein kleiner unerwarteter Aussetzer von Ben, der bei vollem Abfahrtstempo alle überholt, um kurz danach, sich seiner Geschwindigkeit bewusst werdend, seinen Ritt mit einer unglaublichen Vollbremsung beendet, kurz vor der nächsten Kurve zum Stehen kommt und so seinen Absturz die Böschung hinunter in letzter Sekunde verhindert.
Nach einem letzten Stück Abfahrt geht es wieder bergauf, bis wir in Warth rasten, um Bergkäse, aus der höchstgelegenen Sennerei von was weiß ich zu kaufen. Danach wieder abwärts bis Lech und wieder hoch nach Zürs und weiter zum Flexenpass. Es folgt wiederum eine 10-minütige Abfahrt durch einen Tunnel. Um dies an der Spitze des Trosses bewerkstelligen zu können, drängeln wir uns beim Stehen an der Ampel vor dem Tunnel in einem waghalsigen Manöver ganz nach vorne.

Beim folgenden Anstieg hoch zum Arlbergpass versagen Robin leider die Knie und die Tour fordert kurzfristig ihr zweites Opfer. Romantisch direkt an der Schnellstraße unter einem Gedenkkreuz wird Robin mit Traubenzucker, Cola und Aspirin wieder aufgepäppelt, um danach von Ben die letzten 100 hm zum Pass hochgeschoben werden zu können.
Bei Fleischkäs’ und Schokolade wird oben das weitere Vorgehen (Vorradeln) besprochen. Alternativen sind: ganz abfahren und auf der Straße ganz zur Konstanzer Hütte auffahren oder auf halber Strecke über einen gepunkteten (oder auch gestrichelten) Wanderweg abzukürzen.
Schon hier reden Ben und Vinc ein wenig aneinander vorbei, was am Ende jedoch sowieso völlig egal ist…
Die Diskussion wird an einer Haltebucht fortgesetzt, an der angeblich der (gepunktete) Wanderweg beginnt und Flo und Ben dazu veranlasst eine halbe Stunde in Wald und Wiesen nach ihm zu suchen.
Vinc sucht derweil 200m die Straße runter nach seinem (gestrichelten) Wanderweg, der letzlich dann auch genommen wird, da Vinc nicht mehr oben auftaucht. Ein fataler Fehler….

“Ich bin über nen Stein gefahren, wie schon tausende Male vorher und auf einmal hat mein Hinterreifen am vorderen Umwerfer geschliffen. Und dann hamma glei kontrolliert, ob am Umwerfer irgendwas kaputt isch, bis de Flo dann meint, dass das Hinterrad nicht mehr richtig eingespannt sei […] und dann hamma gesehen, dass der Ramen gebrochen ist!”
(O-Ton Benjamin Michelfelder)

Ein Schock, der Schwinger direkt über der Verankerung der Scheibenbremse war tatsächlich gebrochen.
Stille!
Tränen!
Blut schoss aus dem Rahmen und aus Bens Herz. Wir standen daneben, unfähig etwas beizusteuern, unfähig Bens Emotionen auch nur im Geringsten nahe zu kommen, unfähig das ganze Ausmaß dieser Katastrophe einschätzen zu können.
Es war wie der Verlust eines geliebten Haustiers, wie ein Traum, der als Seifenblase zerplatzt, wie der Untergang der Titanic, wie die Notwendigkeit eines Besuchs in einer Klausureinsicht, kurzum: richtig beschissen!

Einzige Vorläufige Lösung des Problems war es, der Hütte abzusagen und uns in zwei Gruppen abwärts nach St. Anton zu begeben.
Chri und Ben mit Chris, Flos und Bens kaputtem Bike vorneweg und Flo, Vinc und Robin langsam zu Fuß hinterher. Letztere finden auf halben Weg Bens hilflos zurückgelassenes Bike, das den Anschluss auf Grund von zu starken Schmerzen im Bereich des linken hinteren Schwingers nicht halten konnte und so am Boden liegend zurückgelassen werden musste.

Wiedervereinigung dann in St. Anton vor’m Intersport und erster Hoffnungsschimmer bzw. die Idee am nächsten Tag ein Bike zu leihen und ein Stück Zug zu fahren (natürlich nur Ost-West), um so doch noch fast wie geplant weiter machen zu können.
Eine Unterkunft finden wir schnell im Gasthof zum Waldblick, in dem wir es schaffen uns gegen abenteuerlustige Reparaturversuche des Hausherren durchzusetzen, der nämlich einen Aluschweißer gekannt hätte.

Abendessen gibt es schließlich in der “Pizzaria” gegenüber, die sich dann allerdings als Romantikrestaurant herausstellt und eine Rechnung von 30€ pro Kopf mit sich bringt. Aber was soll der Geiz – bei dem Gehalt!
Außerdem wird Ben hier noch von der äußerst adretten (älteren) Bedienung als “scheinheiliger Zapfen” entlarvt und die “5-Personen-Rundtisch-Tradition” begründet, bevor wir völlig fertig ins Bett fallen.

Anmerkung 2 (von Chri)
Nachdem Bens Rahmen auf dramatische Weise kurz vor dem letzten Anstieg gebrochen ist, beschließen Ben (mit Flos Fahrrad) und ich so schnell wie möglich ins Tal abzufahren. In St. Anton hoffen wir ein Ersatzfahrrad für Ben zu finden.
Es ist 17.30 Uhr. Nach 15 Minuten stehen wir völlig erschöpft vorm Intersport in St. Anton.
17.45 Uhr: vollgepumpt mit Adrenalin und nass vom (Angst-)Schweiß rennt Ben in den Intersport. Wir haben gerade eine absolut kranke Abfahrt hinter uns gebracht, bei der wir nicht nur einen für Fahrräder gesperrten Weg wie die Irren runtergeheizt sind, sondern auch diverse stahlseil-abgesicherte Stücke runtergerollt sind =).
Hätten wir mehr zeit gehabt, wäre dieser “verbotene” Trail wohl eines der Highlights geworden. So war er nur eine adrenalinverseuchte kranke Tour.

Panda
Over & Out

 

Tag 2
Der Ost-West-Konflikt

Obwohl nicht abgemacht stellen Flo und Ben ihr Wecker 15 min nach den anderen, um länger schlafen zu können, während Chri Punkt 20 vor 8 bei Robin im Einzelzimmer, um ihn in alter Tradition wach zu schreien. Immerhin schaffen es dann doch alle pünktlich zum wirklich gut bestückten Frühstück.
Erstes Anliegen danach ist Bens Ersatzbike, das wir beim Sport Albert in der Stantoner Füßgängerzone bekommen. Direkt neben dem Eingang liegt auch gleichzeitig der Start zum Arlberger Bike-Marathon, der genau zur gleichen Zeit loszugehen scheint, in der wir aufbrechen wollen. Wir können also während der kurzen Wartezeit des Fahrradumbaus allerlei Möchtegernbiker mit allerlei Möchtergernbikeausrüstung bewundern. Man könnte auch sagen: Manche hatten echt nette Räder…

Weiter geht es bei gutem Wetter an den Bahnhof…

…und kurze Zeit später brechen wir vom Bahnhof aus auf. Wir stehen hier im Nebel – und wenige Stunden später im Regen. Aber nach kurzer Abfahrt von Langen nach Dalaas geht es aber erstmal steil hinauf. 600 HM auf den Kristbergsattel. Hier wird die Fahren/Gehen-Taktik (auch als Gehen/Fahren-Taktik bekannt) von mir auf Grund andauernder Knieprobleme ins Leben gerufen und später von einigen anderen adaptiert (man weiß nicht ob aus Solidarität oder anderen persönlicheren Gründen).
Da allmählich der Regen einsetzt (was wir allerdings beim Im-Nebel-stehen schon antizipiert hatten) wird hier das erste Mal die Regenkleidung notwendig (die wir allerdings schon beim Abfahren am Bahnhof in Langen angezogen hatten.) Was wir dort nicht antizipiert hatten war, das wir sie bis zum Ende dieser Tagesetappe nicht mehr ausziehen würden.
Die Abfahrt vom Kristberg-rasant- und trotz Regennasser Fahrbahn vermutlich mit neuem Geschwindigkeitsrekord erfolgt ohne größere Zwischenfälle.
Von Schruns aus geht es jetzt 13 km lang hinauf bis nach Gargellen. Mäßiges Tempo, mäßige Steigung, starke Knieschmerzen meinerseits.Folge: Ben fährt zunehmend an meiner Seite (natürlich nur um sich anzuhängen und ziehen zu lassen).Nachdem ein Stier gestreichelt und nocheinmal die optimalen Kleidungsstücke über.- bzw. ausgezogen sind, beginnen die letzten 6 schleppenden km hinauf nach Gargellen, wobei wir uns schon nach ca. 500 m im Wolkenbruch befinden, (gut, dass wir kurz vorher noch einmal „trockenere“ Kleidung angezogen haben. => jetzt ist alles klatsch nass!) der uns zum kurzzeitigen stoppen bringt, auch wen der ein oder andere es erst nach barschem Zuruf unseres Franken verstehen will.
Bei diesem Aufstieg wird auch noch einmal die Fahren/Gehen-Taktik ausgebaut und perfektioniert und uns bewusst, dass mit diesem Regentag eigentlich einer unserer Wünsche in Erfüllung gegangen ist, sich aber ganz und gar nicht danach anfühlt.
Relativ nass, kalt und müde kommen wir irgendwann etwas lustlos gegen 17.00 Uhr oben an.(Oben in Gargellen – noch lange nicht ganz oben…).
Eine kurze Pause bringt neuen Mut und neue Kraft um die letzten 400 HM hinauf zum Schlappiner-Joch in Angriff nehmen zu können. Mit vereinten Kräften! Ben der eigentlich schon den ganzen Tag für zwei tritt, weil er mich schiebt, hilft jetzt auch noch Chri beim Gang hinter die Holzhütte ; Ich schiebe kurzzeitig zwei Fahrräder und man fühlt sich am Fuß zum Joch endlich mal wieder als echte funktionierende Truppe, bevor man die letzten 200 HM (diesmal jeder für sich) mit dem Rad auf dem Rücken (man muss hier tragen) in Angriff nimmt.
Nach einer letzten geschlagenen Stunde Quälerei bleibt uns oben kaum Zeit den Anblick zu genießen (vll lag’s auch am Nebel), da es stark windet und in Kombination mit durchnässter Kleidung schnell scheiß kalt wird. Das Gute daran: wir verlieren keine Zeit, um schnellstmöglich den genialsten Mountainbike-Track der Tour befahren zu können.
Eine weitere Stunde, insgesamt ca. 15 Stürze und nicht nur nasse, sondern jetzt auch völlig lehmverschmierte Kleidung und vor allem Bikes später kommen wir direkt 10 m neben unserem heutigen Tagesziel, der Gemslihütte, zum stehen.
Schön ist’s hier: Matratzenlager, Dusche (teilweise), Kamin (zum trocknen), ein runder 5-Personen-Tisch (wie immer), gutes Bier (Calanda – für fast alle von uns. Einer hatte zu viele Trockenobst-Riegel gegessen und musste Tee trinken. Vieeel Eisenkraut-Tee – auf Empfehlung des Hauses) und eine Bedienung, der es potentiell möglich gewesen wäre, Vinc Wunsch zu erfüllen (was trotz guter Vorbereitung nicht passiert ist) beenden unseren Regentag und begleiten uns in die Nacht.

Bens Satz: „ __________________________“

 

Tag 3
Schweizer Zollschranken

 

Tag 4
How to “rotary”

 

Tag 5
ALLE Wege führen nach Rom

 

Tag 6
ChevrOLÉt