2012 – Radtour Karlsruhe – Genf

Karlsruhe – Genf
15.-20. August 2012
540 km, 4600 hm, 30-33°C
1 Platten (0,00037 Platten/km)

Am Mittwoch den 15. August ging sie los, die Reise auf zwei Rädern die wir auf 5 Tage Fahrt angesetzt hatten. Nachdem wir nicht mehr Lyon als Ziel hatten, entschlossen wir uns die schönere und abwechslungsreiche Route durch die bergige Landschaft des Jura als zweiten Teil unserer Tour zu fahren. Neues Ziel: Der Genfer See!

Rein routentechnisch legten wir uns sehr spontan fest. Nur die ersten zwei Tage waren angesetzt und dann wollten wir schauen was machbar und sehenswert ist.
Voll beladen, jeder gut 15 Kilo am Rad und hochmotiviert trafen sich die 5 Powders um 8 Uhr am Hbf in Karlsruhe. Die Gruppe setzte sich aus dem fahrbaren Navigationsgerät Vinc, Bene, Tom, Peter Pan (Jo dessen Nachname nicht genannt werden darf) und mir, dem “Reutlinger” Matze zusammen.

Den ersten Tag gingen wir auch eher gemütlich an. Zwar standen 150 km auf dem Tagesplan, jedoch waren diese bis zum Kaiserstuhl nur in der Ebene abzuspulen. Im Windschatten war also Beine hochlegen angesagt und so blieb genug Zeit um Äpfel zu stibitzen, die wunderschönen Ausläufer des Schwarzwaldes zu begutachten, Zuckerrüben statt Kolrabi aus den Feldern zu reißen oder sich bei angenehmen 32° mit ausreichend Sonnencreme einzuschmieren.
Die Realität holte uns dann am ersten Berg ein. Vollgepackt von den Einkäufen (rund 5 Kilo mehr pro Gepäckträger) quälten wir uns nach 140 km die ersten Höhenmeter hoch und merkten schnell, dass die Vogesen sicherlich kein Spaziergang werden. Am nächsten Tag stand der Ballon d`Alsasce auf dem Programm und nach dieser ersten schmerzhaften Erfahrung für die Oberschenkel lief einem bei dem Gedanken an die folgenden 700 hm der Angstschweiß schon bei diesem ersten Trainingshügel mit herunter.
Angekommen in den Weinbergen des Kaiserstuhls schlugen wir unser Nachtlager an einem der schönsten Aussichtspunkte der Gegend auf. Bis dahin sah es mit dem Wetter noch gut aus… Langsam merkten wir wie sich die Wolkendecke zuzog und dass es Zeit war unsere Holzhütte nachtfertig zu machen. Wir spannten in weiser Voraussicht die Zeltplanen um das Gebälk und sicherten diese so gut es ging. Was dann folgte war teils Spektakel und teils einfach krass. Die Windböen peitschten orkanartig die ganze Nacht auf uns ein. Und wir Schlaumeier waren am ausgesetztesten Punkt des ganzen Tales. Kein Berg, kein Baum der uns hätte schützen können. Das ganze spielte sich zwischen innerlichem Grinsen und „mach das fest“ – „da kommt Wasser rein“ ab. Abenteuer – dafür waren wir doch losgezogen?

Der Morgen danach mit eher weniger Schlaf war plötzlich wieder ruhig. Die Sonne kehrte zurück und sollte ab dann unser ständiger Begleiter und Antreiber bleiben. Sattgefühstückt in der Rheinebene ging es los. Die Vogesen sollten erobert werden! Ab nach Frankreich und auf sehr gut ausgebauten Radrouten Richtung Berge. Die Räder liefen und wir machten ganz gut Kilometer. Im Gegensatz zum ersten Tag schien es bald kontinuierlich steiler zu werden. Es wartete zwar wieder die Höhenprüfung zum Schluß, jedoch hatten wir heute nur ein einziges Ziel. Der Ballon d`Alsasce. 1241 Meter hoch gelegen einer der Orte mit der Besten Sicht über die Vogesen und Richtung Alpen. Der Blick ein einziger Genuss. Zur einen Seite erstreckte sich Frankreich, zur anderen das Alpenpanorama. Doch ohne Arbeit kein Vergnügen. Und dieses Mal hatte es sich gewaschen. Die Beine wurden warm und der Schweiß lief. Bei sommerlichen 30+° waren wir froh endlich im kühleren Wald die zweite Etappe nach ca. 110 km zu beenden. Kurzer Zwischenstop im Stausee und ab gings. Oben wartete die komplette Erschöpfung. Klatschend und Jubelnd ließ sie uns noch 100 Höhenmeter unsere Räder auf den Gipfel schieben. Unser Schlafplatz für diese Nacht. Zufrieden wurden die hochgeschleppten 1,5 kg Pasta verdrückt. Manch ein Verrückter hatte wohl noch zuviel Kraft und musste unbedingt „joggen“ gehen. “S’gibt Blede un’ Saublede… un’ zu d’Blede g’hersch du gwies net!” Vinc wusste es treffend auf den Punkt zu bringen.

Der Anblick, die Freude über das geleistete und die Morgensonne machten uns Hoffnung. Ein Tag mit weniger Anstrengung? Mittlerweile war man daran gewöhnt 8 Stunden auf dem Bock zu sitzen und 12 Stunden unterwegs zu sein. Also, Abfahrt! Und wie. Die ganzen Höhenmeter wieder runter. Mit Geschwindigkeitsrekord 72 km/h (nicht zu empfehlen mit Gepäck) aber umso kitzelnder. Nach Belfort und in Richtung Jura. Die Vogesen sollten uns weiter begleiten doch das Jura lag vorraus. Nicht nur schön von der Landschaft her sondern auch schön wellig war es. Wir hatten die ersten Täler gequert und entlang des Canal de Montbéliard à la Haute-Saône einige Kilometer abgespult nur um uns dann hoffnungslos zu verfahren. Nachdem wir eine leichte Steigung 30 Minuten hochgebolzt waren, merkten wir ins falsche Tal gefahren zu sein. Autsch – die Wasserknappheit gab den Rest dazu. Wir beschlossen aber unsere  ursprüngliche Route wieder erreichen zu wollen. Machten uns so weiter auf den Weg durch die wunderschön hügelige Juralandschaft. Das hatten wir gesucht. Deshalb macht das Radfahren im Jura so viel Freude. Umgeben von Grün, Tieren, Feldern und Wäldern. Saugeil und sehr abwechslungsreich. Wie sollte es auch anders sein, beendeten wir unseren Tag mit? – genau – einer Steigung. Heute standen 18 % auf dem Plan. Zum Glück nur phasenweise. Dennoch bot sich uns um den Fluss Doub ein unvergessliches Spektakel. In einem Seitental fühlte man sich in Filme aus den 40ern oder 50ern versetzt. Frankreich von seiner wunderbaren Seite. Seelenruhig fuhren wir durch Orte wie St. Hypolythe und taten der Powder Party Tradition alle Ehre wieder einmal einen Gebirgsbach einzuweihen (oder zu entweihen?).

Tag 4 kam. Und mit ihm die Hitze. Morgens noch erfrischend zeigte sich die Wärme mittags dann von ihrer brutalen Seite. In der Glut ging es dann eine Passstraße in Richtung Vallorbe, die zwischenzeitlich zur Schnellstraße wurde. Allerdings entschädigten Dinge wie der Käse “Comte”, den wir direkt beim Bauern gekauft hatten oder das ofenfrische Baguette. Ebenso wie die Patisierie Dinger von denen ich den Namen vergessen hab. Generell haben wir in den 5 Tagen so unglaublich viel gegessen. Allerdings auch immer gut. Der Hunger ist der beste Koch, das stimmt, allerdings gab es überall immer frischen Käse, unglaubliche Chorizo oder geniales Obst. Unser Ziel des vorletzten Tages war der Lac de Joux. Ein Schweizer hatte uns noch im Supermarkt von der Schönheit vorgeschwärmt und wir sollten nicht enttäuscht werden. Auf ca. 1200 hm schlugen wir 2m vom See “entfernt” unser Nachtlager an einer kiesbedeckten Landzunge auf. Umgeben von 16-Jährigen Schweizern und Althippies mit ihren Kindern schliefen wir mehr oder weniger ruhig. Immer wieder hörte man aus dem Wald irgendjemanden, den wohl zuviel Fliegenpilze geflasht hatten, aufschreien und komische Laute von sich geben. Was solls, am nächsten Morgen weckte uns die Sonne über dem letzten Jurakamm den man von uns aus sehen konnte auf. Der Lac de Joux ist nur zu empfehlen. Wunderschön gelegen und lange nicht so touristisch und überlaufen wie der Genfer See. Wir schoben unsere Räder über den Schotter bis zur Straße und machten uns auf, die letzte Etappe anzugehen. Nach den längeren Abschnitten standen nur 60 km auf dem Programm – davon das meiste bergab bis an den 300 hm hoch gelegenen Genfer See. Der letzte Berg wurde erklommen und damit auch das Dach unserer Tour auf schlappen 1400 Metern. Die Belohnung für die letzten Tage. Die vielleicht schönste Abfahrt die man jemals fahren hätte können. Nach zwei Kurven war es so weit. Dieser Anblick war pure Gänsehaut (bei 30°, wohlgemerkt!). Wie aus einem Überraschungsei poppte das Alpenmassiv vor uns auf. Dieser Anblick war so majestätisch, dass es eine bloße Beleidigung gewesen wäre nicht für ein mentales Durchschnaufen und Genießen am Aussichtspunkt zu halten. Jungfrau, Dent Blanche, sämtliche Kämme und Bergketten der Westalpen. Und über allen thronte er, der Mont Blanc. Wie ein weißer Zapfen ragte er aus den restlichen Bergen hervor. Ein Anblick der uns allen in Erinnerung bleiben wird und diese Abfahrt wohl zur schönsten Rennradabfahrt überhaupt machen sollte. Wir ließen es uns nicht nehmen das ganze mit Bier im nächsten Bergdorf auf einer Restaurantterrasse gebührend zu feiern und auszukosten. Vollgepackt mit Gruyere, Comte, Salami und Brie fuhren wir zu unserer Endstation – Geneva – wo wir den Abend am Campingplatz direkt am Ufer des Genfer Sees genossen.

Innerhalb von 6 Stunden ging es dann am nächsten Tag mit der Bahn über Basel und Freiburg zurück nach Karlsruhe. Beine hochlegen und duschen. In Gedanken schon die nächste Radtour bis ans Mittelmeer planend.
Das Fazit nach knapp 540km und 5000 erklommenen Höhenmetern war jedoch eindeutig. Wiederholung! Weniger Gepäck, mehr Leute, Kilometer und Zeit, am besten ein Begleitfahrzeug und ein Ruhetag. Das Jura jedoch hat den wohl bleibensten Eindruck hinterlassen und wird uns wohl spätestens nächstes Jahr wieder sehen.
Gute Fahrt,

Matze