2012 – Mountainbike Marathon

Sie sagten: “schreibe den Bericht einfach realitätsnah.” Sie sagten: “Schreibe ihn so, wie du den Event
erlebt hast. Ein kurzer, knackiger Bericht sollte also genügen”.

Dann müsste ich ziemlich früh morgens anfangen. Um 7 Uhr gings in der Veilchenstraße los. Ich müsste etwas verplant, müde und chaotisch beginnen, etwas langatmig auch, die Fahrt in das hinterletzte Eck der Pfalz (Trippstadt liegt in der Nähe von Kaiserslautern) hat seine Zeit gebraucht. Die Straßen nach Trippstadt werden immer kleiner und löchriger, je näher man kommt. Dann müsste etwas Aufregung in den Bericht kommen.

Mountainbike-Marathon-2012-2

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Mountainbike-Marathon-2012-1

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Langsam machte sich nämlich Spannung breit, ob jeder wohl die Strecke schaffen würde, die er sich vorgenommen hatte. Vier von fünf Powders hatten sich die lange Strecke mit 87 km und 1870 Höhenmetern vorgenommen, einer die mittlere Strecke mit 59 km und 1240 Höhenmetern. Die hohe Beteiligung an der Langstrecke lag wohl auch ein wenig am Gruppenzwang, nicht weniger fahren zu wollen als die anderen. Und am Geiz – wir bezahlen für die Langstecke, also fahren wir sie auch!
Um 10:30 Uhr ging es los und wir starteten gleich mit der ersten Gruppe auf die Strecke – der Start wurde in drei Gruppen unterteilt, damit nicht alle der rund 400 Starter auf einem Haufen hingen. Nun müsste also ein ziemlich abwechslungsreicher und aufregender Part folgen in diesem Bericht. Der Kurs war sehr schön gewählt und mit grob 30% Trailanteil auch sehr Traillastig, verglichen mit anderen Bikemarathons. Dabei beschränkten sich die Veranstalter nicht nur darauf, uns bergab auf Trails fahren zu lassen, sondern auch häufig bergauf. Eine schweißtreibende und kräfteraubende Angelegenheit. Heiß hergehen müsste es jetzt auch, schließlich waren wir am voraussichtlich heißesten Wochenende des Jahres unterwegs. Zu unserem Glück ging eigentlich die gesamte Strecke
durch den Wald, was meistens für Schatten und mildere Temperaturen während dem Fahren sorgte.

Die Streckenteile, die nicht auf dem Trail verliefen, führten uns meist auf Waldwegen durch die Pfalz rund um Trippstadt und sogar auch sehr nah an Kaiserslautern vorbei, was wir erst später auf der Übersichtskarte bemerkten. Zu sehen war davon nicht viel vom Fahrrad aus. Das Streckenprofil erinnert stark an das EKG eines Herzkammerflimmerns, denn statt eines definierten Aufstiegs und einer schönen, wenn möglich auch noch flowigen Abfahrt, wurden hart verdiente Höhenmeter sofort wieder abgefeiert, um dann dem nächsten Anstieg gegenüber zu stehen. Das ständige Auf und Ab zehrte stark an den Kräften. Ungefähr alle 15 Kilometer erwarteten uns Verpflegungsstationen, um uns mit Flüssigkeit und Nahrung zu versorgen.

Als erster Powderparty-Vertreter erreichte Florian Kahl nach knappen 5 Stunden und 59 Kilometern das Ziel. Die von uns angepeilten 4 Stunden, 20 Minuten bis zu 5 Stunden Fahrtzeit für die Langstrecke (die Schätzungen lagen schon relativ weit auseinander) erwiesen sich als ziemlich optimistisch bis realitätsfern. Mit sechs Stunden Fahrtzeit, was nur eine Stunde langsamer war als die Bestzeit der Veranstaltung, überquerten drei von uns zeitgleich die Ziellinie. Fabian ‚Kohli‘ Kohler musste in der Dritten und letzten Runde schwer kämpfen. Von Krämpfen geplagt, biss er sich jedoch auch noch durch die letzte Etappe und erreichte etwas später als Benjamin Michelfelder, Fabian Götz und ich das Ziel – Hut ab, dass du das durchgezogen hast!

Mountainbike-Marathon-2012-3

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Das Ende dieses Berichts müsste schließlich mit großer Erschöpfung, Glücksgefühlen und Schmerz gespickt sein. Alle hatten ihr Ziel erreicht und sich damit den Button wohl verdient! Ziemlich fertig und mit schmerzenden Hintern fuhren wir wieder nach Hause und erreichten gegen 20 Uhr Karlsruhe.

Aber wer schreibt schon so einen Bericht…? Außerdem würde er dann nicht kurz und knackig werden, dafür fand ich diesen Event zu ereignisreich. Dann eben nicht und ich muss mir wohl noch was anderes überlegen…

Bericht von Jonas Hartmann