2012 – Auf den Spuren der Powder Party

09. bis 11. März 2012
Teilnehmer: Andreas Gutzan, Christian Richardson, Freddy Heikamp, Philipp Nusser, Benjamin Michelfelder, Vincent Ehrmann, Jens Paul, Katharina Nusser, Fabian Götz, Johannes Brandl, Marc Schuth, Katharina Schmidt, Max Reinhard
Bericht von Christian Richardson

Sehr geehrter Schnee und Wetter,

vielen Dank für dieses geniale Wochenende. Ich hatte sehr viel Spaß und konnte nach 2 Jahren Wartezeit endlich eine unglaubliche Skitour gehen…

So oder so ähnlich könnte ein Brief an die höheren Mächte beginnen. Aber da wir Menschen diese Dinge sowieso nur bedingt beeinflussen können, freuen wir uns an dieser Stelle einfach mal darüber, dass alles gepasst hat [= höchstes Lob für einen gebürtigen Franken]. Denn vergangenes Wochenende (09.-11.03.2012) haben wir geschafft, was uns 2010 verwehrt wurde: Den Gipfel des Saulakopf zu erklimmen. Aufgrund eines Schneesturms mussten wir damals umkehren. Doch eine solche Schmach wollten wir nicht akzeptieren und da sowieso alle heiß waren auf ein langes Tourenwochenende wurde von Philipp kurzerhand ein Revivalevent geplant und durchgeführt. Im Gegensatz zu 2010 waren wir dieses Jahr nicht privat im Rätikon unterwegs, sondern im Rahmen des Powder Party Bergsport e.V.. Mit dabei waren unter anderem einige Tourenanfänger und neue Mitglieder, die zum ersten Mal einen Berg selbst erklimmen wollten.

Dieses Jahr beginnt unsere Tour am Donnerstagabend in Pfullendorf, wo wir uns nach überstandener Anreise bei „schwäbischer Pizza“ und kühlen Getränken im Felsenkeller des Hotel Adler auf die anstehende Tour einstimmen. Im Anschluss werden noch schnell die Rucksäcke mit allerhand Köstlichkeiten aus dem lokalen Rewe und Ausrüstungsgegenständen gepackt, geleert, umgepackt, gepackt, probegetragen, geleert, gepackt, umgepackt, probegetragen, geleert, aussortiert, gepackt probegetragen und schon ist es ein Uhr nachts und es bleiben nur noch 4 Stunden Schlaf.

Am nächsten Morgen geht es dann zügig in unser Traditionstourengebiet das Rätikon. Kaum in Vandans angekommen, springen wir von den Autos direkt in unsere Aufstiegshilfen Ski und Schneeschuhe und machen uns vom Parkplatz, denn es liegt ordentlich Schnee auf den Weg zu unserem Tagesziel, der Heinrich-Hüter-Hütte auf 1766m. Während des Aufstiegs passieren wir die Spuren des starken Schneefalls der vergangenen Wochen in Form von riesigen aber ungefährlichen Lawinenkegeln, die den Fahrweg säumen beziehungsweise ihn unter sich begraben haben. Mit zunehmender Höhe und abnehmender Temperatur wird der Schnee immer pulvriger und wir spuren voller Genuss durch das Rellstal hinauf zur Hütte. Nach 1000hm und 6km Strecke lassen wir den Abend gemütlich in der Hütte ausklingen und erfreuen uns an saftigem Kassler, Kartoffelpüree und dem ein oder anderen Destillat, denn das Essen war fettig.

Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht (13 Männer und Frauen in einem Raum) klingelt der Wecker um halb 6 Uhr morgens. Nach einem kurzen Frühstück zieht es uns hinaus und sofort wissen wir, dass wieder einmal Powder Party Wetter angesagt ist: Blauer Himmel und Sonne. Von der Hütte ziehen wir unsere Spur hinauf zum Gipfelhang des Saulakopf. Wenig später werden wir vier weitere Tourengeher treffen, die sich an unserer Spur erfreuen und sich brav bei uns für das „Spuren“ bedanken. Am Gipfelhang angekommen geht es nach einer kurzen Pause in größeren Abständen hinauf. Perfekte Verhältnisse und über 30° steiles Gelände verlangen uns konditionell noch einmal alles ab. Doch der Gipfel belohnt uns mit einer unglaublichen Fernsicht und wir genießen die Sonne bei einem ordentlichen Vesper und etwas Schnupftabak. Letzterer wird der Nase, mittels Philipps eigens für die Tour konstruierten mobilen Schnupfmaschinen, mit ordentlich Dampf zugeführt. Im Anschluss schnallen wir die Bretter an und surfen durch den unglaublichen Powder die 750hm hinab zur Hütte. Diese grandiose Abfahrt wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. An der Hütte angekommen genießen wir die pralle Mittagssonne auf der Hüttenterrasse und entspannen die Muskeln von der morgendlichen Anstrengung. Nachmittags trainieren wir zweier Gruppen den Umgang mit dem LVS-Gerät, Sonde und Schaufel. Danach wird noch ein Iglu mit Hilfe von Vincents selbst gebastelten Schneesägen gebaut, bevor wir wieder lecker zu Abend essen: Saftige Maultaschen mit ordentlich Soße und Kasslerbrühe vom Vorabend. Die Sonne hat uns heute sehr zugesetzt und so kommt es, dass um 10 Uhr abends nur noch die halbe Mannschaft gemeinsam am Küchentisch fröhlich Lieder trällert. Da Vincent sich am ersten Tag für das Bierfass und gegen den Daunenschlafsack in seinem Rucksack entschied, hat leider niemand von uns geeignete Ausrüstung dabei, um das wunderschöne neue Iglu über Nacht zu testen. So nutzen die noch wach gebliebenen die kalte, sternenklare Nacht, um wenigstens die Temperatur im gemütlichen Iglu für ein paar Minuten zu testen. Zufrieden mit dem Ergebnis sind die Anstrengungen des Tages nun allen anzumerken und so geht ein genialer Powdertag zu Ende.

Am letzten Tag unserer Tour geht es über einige Umwege noch einmal auf das Gipsköpfle. Leider haben sich die Hänge durch die Sonne und Wärme in Bruchharsch verwandelt und so kommt es, dass wir einige Meter unkontrolliert abfahren müssen, bevor wir endlich den von uns angepeilten Schattenhang mit frischem Powder erwischen. Diesen kennen wir schon von 2010 und auch dieses Jahr ist er wieder ein Genuss. An den kleinen Sprüngen treiben wir unser Adrenalin noch einmal in die Höhe bevor es abschließend wieder hinab geht zum Parkplatz. Die Abfahrt gestaltet sich als sehr “botanisch”: als Hindernisse müssen wir große Eisbrocken, kleine Äste, Tannenzweigteppiche und ganze zusammengebrochene Bäume überwinden. Nach der traditionellen Powder Party Button Zeremonie am Parkplatz trennen sich dort unsere Wege.

Alle restlichen Fotos sind hier zu finden: