2011 – Powder Party

Tag 0 – Wurstsalat

Die Powder Party 2011 begann in unseren Köpfen schon nach der letzten Abfahrt der Powder Party 2010. Die Freude konnte also kaum größer sein, als es am 23. März endlich mit 2 voll beladenen Autos aus Karlsruhe in Richtung Tuttlingen losging, das uns dem Schnee und den Gipfeln schon ein Stück näher brachte. Nach und nach kamen an diesem Abend alle 9 Berts (Aegi, Boliath, Ben, Carsten, Chri, Ferdi, Flo S, Josef und Vinc) in Tuttlingen bei Familie Michelfelder an und wurden mit köstlichem, hausgemachtem Wurstsalat, Bier und selbstgebrannten Schnaps bestens versorgt. Nachdem die Rucksäcke gepackt waren und der ein oder andere Bert das ein oder andere Bier getrunken hatte, ging es so gestärkt ins Bett, um wenigstens noch 2 bis 3 Stunden Schlaf vor dem Aufbruch am nächsten Morgen zu bekommen.

Tag 1 – Aufstieg

Mit noch halbgeschlossenen Augen wurden morgens um 4 die letzten Sachen ins Auto geladen und es ging mit 2 Autos los in Richtung St. Antönien, dem kleinen Bergdorf im Schweizer Kanton Graubünden, das uns allen von der ersten Powder Party 2008 noch in bester Erinnerung geblieben ist. Beim Zwischentreffpunkt in Lindau kam das eine Auto nach unzähligen mehrfach umrundeten Kreiseln und mehrmaligem Unmdrehen mit einer halben Stunde Verspätung an, was aber allein auf das Navi und nicht auf den Fahrer zurück zu führen war.

Um 9 Uhr erreichten wir unseren Parkplatz im 1459m hohen St. Antönien und schulterten schon in freudiger Erwartung Ski und Schneeschuhe, als Ben den Kofferraum öffnete und das Geheimnis des obligatorischen Kartons lüftete. Auch dieses Jahr durfte unsere geliebte Schnupfmaschine wieder mit auf die Powder Party, diesmal sogar im eigenen Terrarium verpackt und damit bestens gegen Schnee geschützt. Dass das Terrarium wegen des perfekten Wetters gar nicht nötig gewesen wäre, wussten wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Im schönsten Sonnenschein gingen wir die wenigen Meter bis zur Schneegrenze, wo Ski und Schneeschuhe angeschnallt wurden und die Powder Party 2011 endlich richtig angetreten werden konnte. Ungefähr 600 Höhenmeter sollten es sein, bis wir unser Ziel für die erste Übernachtung, die 2208m hoch gelegene Tilisuna-Hütte, erreichen würden. Unser Weg führte uns, wie schon vor 3 Jahren, am Schanielabach entlang das Tal hinauf und an Partnun vorbei. Die Sonne schien wie im Hochsommer und nach kurzer Zeit hatte jeder Bert die Jacke verstaut und sich mehrmals Chris Sonnencreme oder Vincents 7-Krankheiten Labello geliehen. Während der Mittagspause am Partunsee war es in der der Sonne ausgesetzten Schneelandschaft fast unangenehm heiß, und nur Flo ließ sich unbeirrt oben ohne in der Sonne braten.

Weiter ging es also im T-Shirt durch die sagenhafte, unberührte Schneelandschaft. 200 Höhenmeter vor dem Ziel stießen wir auf das erste Hindernis des Tages. Wir fanden uns plötzlich vor einer Wand wieder, die nur durch Klettern überwunden werden konnte. Die Gruppe teilte sich, und jeder suchte sich den für Ihn am angenehmsten Weg durch die steinige Passage, auf der Ski und Schneeschuhe sich nur als Hindernis herausstellten. Nach einer von Aegi ausgelösten Mini-Lawine und erfolgreichem Einsatz des Kletterseils war auch dieses Hindernis überwunden und außer dem gestiegenen Adrenalin-Spiegel einiger Berts waren alle in bester Ordnung und der Aufstieg zur Hütte konnte fortgesetzt werden.
Nachdem wir kurz vor unserem Tagesziel die Grenze nach Österreich über das Tilisunafürggli überschritten, fanden wir uns um ca 7 Uhr auf der Tilisuna-Hütte ein. Die Klamotten wurden getrocknet (vom Schweiß, nicht vom Schnee), die Hütte von Carsten und Chri in eine Räucherkammer verwandelt, schließlich doch noch ein Feuer entfacht und Schnee geschmolzen. Zum Abendessen gab es feinstes Chrinesisches Hirschgulasch mit Kartoffelklößen und ein 5-Liter-Fass Bier, das in Ermangelung geschmolzenen Wassers und Dank Vinc’ Mühen durch die Höhenmeter nur noch besser schmeckte. Mit Gesangseinlagen und feinstem Snus ließen wir den Abend ausklingen bis alle friedlich in den Betten lagen und die üblichen Verdächtigen sich im Schnarchen zu überbieten versuchten.

Tag 2 – Frühaufsteher

So früh wie noch nie auf einer Powder Party waren wir um 4.30 Uhr wach, um noch vor Sonnenaufgang in Richtung der umliegenden Berge aufzubrechen. Der 2443m hohe Gipfel der Verspala war an diesem Tag das erste Ziel. Da wir am Abend wieder auf die Tilisuna-Hütte zurück kehren wollten, waren die Rucksäcke angenehm leicht und wir erreichten nach einem sehr steilen aber kurzen Aufstieg schon um 8 Uhr den Gipfel der Verspala, wo nach kurzer Stärkung das obligatorische Gruppenfoto auf dem Kamm geschossen wurde. Nach dem der Kamm-Shot im Kasten war, schnallten wir die Boards und Skier an, um die erste Abfahrt der Powder Party 2011 zu genießen.

Unten angekommen trennte sich die Gruppe. Die weniger motivierten bzw. angeschlagenen Berts begaben sich zurück auf die Hütte, während die anderen noch den Gipfel des 2342m hohen Tilisuna-Seehorns in Angriff nahmen. In fast unerträglicher Hitze der Mittagssonne ging es vom Sattel des Seehorns ohne Ski oder Schneeschuhe auf den sehr exponierten Gipfel, der am Ende nur noch durch Klettern zu erreichen war. Von dort aus kann man wahrscheinlich jetzt noch das riesige 70 Meter große PP-Zeichen bewundern, das in der Ebene des Tilisunasees in den Schnee gestampft wurde und so eindrucksvoll in der Berg-Kulisse steht.

Gleichzeitig mit dem letzten Bert kamen am späten Nachmittag auch zwei Tourengeher an der Hütte an, die sich zumuteten eine Nacht mit uns auf der Hütte zu verbringen. Die beiden zeigten sich beeindruckt von der Schnupfmaschine, unserem schönen Gesang aus dem PP-Liederbuch und einem zweiten 5-Liter-Fass Bier, das Aegi nach dem Hochschleppen am ersten Tag zwar erfolgreich vor den Berts verstecken konnte, jedoch von den beiden Kollegen unter der Treppe entdeckt wurde und darauf hin natürlich gleich die trockenen Kehlen befeuchten durfte. Schon bald wurden die beiden Herren zutraulich und erzählten eigene Tourengeschichten in manchmal kaum verständlichem Österreichisch. Für uns gab es Spaghetti mit Pesto, das zwar schon die Hälfte des Öls in Josefs Rucksack abgegeben hatte, was den Genuss aber nicht schmälerte. So gestärkt konnten wir uns getrost ins Bett begeben und schon vom Gipfel des nächsten Tages träumen – der Sulzfluh!

Tag 3 – 1100 Höhenmeter

“Sooooooo geil”, “Der Ober-Hammer”, “Mir geht gleich voll einer ab”, “Multiple!!” und noch obszönere Ausdrücke der Freude, die hier nicht genannt werden sollen, bestimmten den Tag.

Doch zuallererst mussten nach wiederum sehr frühem Aufstehen alle Sachen gepackt werden, denn das Ziel des Tages war der 2817m hohe Gipfel der Sulzfluh, den es zu besteigen galt, um danach zur 1744m hoch gelegenen Lindauer Hütte abzufahren. Wieder brachen wir noch in der Morgendämmerung auf und machten uns auf den Weg durch die stille Berglandschaft über der langsam die Sonne aufging. Unsere beiden Hüttengäste schlummerten noch friedlich, bis wir sie auf halbem Wege zum Gipfel während unserer ersten Pause weit unten unserer Spur folgend ausmachen konnten. Der Weg war verhältnismäßig einfach und wir konnten uns stetig auf einem Kamm in Richtung Gipfel fortbewegen. Die Sonne schien, die Umgebung war traumhaft schön und auf dem Kamm laufend konnten wir links die Aussicht ins Tal von Partnun und rechts die Aussicht auf weitere Gipfel genießen. Schon um 10 Uhr erreichten wir den Gipfel und das riesige Gipfelkreuz der Sulzfluh. Hier gönnten wir uns ein ausgiebiges Vesper, versuchten Dohlen zum Abstürzen zu bringen, errichteten mehr als ein privates Wasserklosett und genossen vor allem die wunderschöne Aussicht und die Sonne die wie am ersten Tag unvermindert schien.

So schön der Gipfel und die Aussicht auch war, so sehr freuten wir uns auf die Abfahrt, auf die wir schon beim Aufstieg die ersten Blicke hatten werfen können. Ewige 1100 Höhenmeter geht es durch den Tiefschnee vom Gipfel bis kurz vor die Lindauer Hütte. Wir schnallten an und begannen eine Abfahrt die bei (fast) allen Berts vorher genannte Ausrufe hervorrief und nicht nur einmal als „beste Abfahrt meines Lebens“ bezeichnet wurde. Nur Vincent war auch danach noch der Meinung, dass Aufsteigen wesentlich viel mehr Spass macht als Abfahren. Unten angekommen, immer noch voll mit Adrenalin und nach einigen schneeumwölkten Stürzen, wurde ein letztes Mal für dieses schönen Tag aufgefellt und die Schneeschuhe angeschnallt, um die letzten Höhenmeter zur Lindauer Hütte zu laufen. Wir konnten uns in den Winterraum der bewirteten Hütte einquartieren und so das PP-Feeling aufrecht erhalten. Trotz besten Benehmens unsererseits, verabschiedeten sich alle anderen Gäste des Winterraums, um sich für die Nacht unserer Anwesenheit teure Zimmer in der anliegenden bewirteten Hütte zu nehmen. Dass es an dem herrlichen Geruch unserer Skischuhe gelegen haben könnte, bleibt allerdings nur eine Vermutung. Nach Kartoffelbrei mit Speck fielen wir alle mehr oder weniger ausgepowert in die Betten.

Tag 4 –Durchhalten

Nach einer Nacht in der Ben M. kaum geschlafen hatte und mit schwerer Erkältung fertig wie selten aussah, ging es von der Hütte aus los in Richtung des 2342m hohen Drusators. Schnupfmaschine und Terrarium wurden weitergereicht und auf den Rucksäcken festgeschnallt. Unterwegs wurde unser Abschiedslied gesungen, aber auch das auf Platz 1. Der PP-Hitparade festgesetzte „Schatzi schenk mir ein Foto“ kam beim Singen nicht zu kurz. Die 600 Höhenmeter bis zum Drusator waren relativ schnell gemacht, obwohl Aegi und Ben M. schwer mit Magenproblemen und Erkältung zu kämpfen hatten. Nach einem letzten Stück das mehr Klettern als laufen war (die Berts, die 2008 beim berühmt-berüchtigten Aufstieg im Schneesturm nicht dabei waren, fragten sich zurecht wie man da lebend wieder rausgekommen war) standen wir alle oben am Drusator. Nach minimaler Abfahrt und weiterem kurzen Anstieg standen wir auf dem 2300m hohen Hausberg der Carschinahütte, deren Anblick nur schöne Erinnerungen an die erste Powder Party aufkommen ließ.

Ein letztes Mal für dieses Jahr wurden Ski und Snowboards angeschnallt, denn es hatte bereits leicht angefangen zu schneien und aufgrund der Angeschlagenheit wollte keiner mehr auf den Schafberg aufsteigen. Die Abfahrt ins Tal, vorbei an der Carschinahütte, sah von oben beschwerlich aus, stellte sich aber trotz sehr sehr nassen Schnees als relativ einfach heraus. Die zweite Hälfte konnten wir auf einem Weg abfahren, auf dem der Schnee glücklicherweise plattgedrückt und daher noch nicht geschmolzen war. Außenherum wurde es aber immer grüner und teilweise fuhren wir auf einem wenige Zentimeter breiten Schneestreifen, der sich über den Asphalt spannte. Glücklicherweise konnten wir problemlos bis ganz zum Parkplatz abfahren und fanden uns so, 78 Stunden nach dem Losmarschieren wieder an den Autos ein. Der Schnee war weiter geschmolzen und die Sonne schien nur noch schwach durch die Wolken, aber wir hatten eine Powder Party mit schönstem Sonnenschein, einer genialen Abfahrt und tollen Gipfeln hinter uns. Bis zum nächsten Jahr, wir können es kaum erwarten!