2009 – Skitour zur Braunschweiger Hütte

28.-29.11.2009 ein Bericht von Marius Trommer un Benjamin Michelfelder

Tag 1
Voll bepackt mit tollen Sachen und ein kleines Bisschen Planlos, fuhren Marius und ich am Sonntagmorgen über das Hahntennjoch in Richtung Pitztal. Noch kurz in Imst ein Paar Salamiwecken rein gepresst und nur im Fluge die Idylle eines kleinen Bergdorfes genossen kamen wir um 13:00 Uhr mit „leichter“ Verspätung in Mittelberg an.
Mittelberg ist der hinterste mit Straße erreichbare Punkt im Pitztal. Hier steht das Berghotel Steinbock (1750m). Auf dem Parkplatz des Hotels gaben wir unserem neuen aber schon sehr lieb gewonnenen Freund Hubert und der Lilly einen Abschiedskuss, sattelten unsere Rucksäcke und griffen den Berg an.

Schnee war dieses Wochenende etwas knapp bemessen. Genau genommen lag wirklich nur auf dem Feldweg der uns die ersten 200 Höhenmeter begleitete welcher.
Hier wurden wir einmal mehr Zeugen davon wie geil unsere Natur einfach ist, denn wir kreuzten einen Bach der mit einer so klaren Eisschicht überzogen war, dass man nur an den Luftblasen die hin und wieder unter dem Eis durch glitten erkannte, das überhaupt Eis da war. A Traum…

Wir schlenderten dann sehr gemütlich einen breiten Wanderweg entlang, bis wir auf 2550m das erste Mal selbst geführt an einem Gletscher ankamen. Der Mittelbergferner. Mächtig und ruhig lag er da. Angesicht zu Angesicht, Mann gegen Natur…ein klasse Gefühl. Gletscher sind wohl so ziemlich das Schönste was die Bergwelt zu bieten hat. Unter unvorstellbaren Spannungen wandern sie gewaltvoll durch die Täler und schimmern dabei ganz unschuldig in leuchtend blau. Wir wussten, dass mit unserem Gegner nicht zu spaßen war und überquerten Ihn ganz behutsam einer nach dem Anderen.

Nach einer weiteren Stunde Aufstieg waren wir kurz vor der Braunschweiger Hütte. Die Dämmerung war hereingebrochen und er Mond strahlte wie ein Scheinwerfer auf uns hinab. Der Hangender-Ferner hing imposant über die Felsen der Wildspitze, dem größten Berg Österreichs nach dem Großglockner. Es war fast heller als Tagsüber.

Der Winterraum der Braunschweiger Hütte liegt im westlichen Teil des Gebäudes mit Blick auf den Gletscher und das Pitztal. Beides war wegen des Mondes und wegen der klaren Sicht die ganze Nacht zu sehen. Behütet von Orion lag der Berg still und schweigend.
Die Hütte bot weder fließendes Wasser noch Strom. Einfach die besten Bedingungen für einen ruhigen Hüttenabend am warmen Holzofen mit Stirnlampe ein wenig Whisky und einem kleinen 3 Gänge Menü. Gemüsesuppe, Nudeln mit Bolognesesoße und Debreziner und im Anschluss noch Stinkkäse und Nüsse. Herrlich.

Während die Augenlieder nun gefühlte 2 Kilo betrugen, musste kurz vor dem Schlafen die übliche Prozedur mit Schnee schmelzen und aufkochen vollzogen werden(hätte ohne die Motivation von Ben nicht mehr stattgefunden). Jetzt nur noch die dicksten Holzklötze raus sortieren und den Ofen damit bis ans Maximum (absolut dichteste Holzpackung mit 98%-Volumen) befüllen für eine warme kuschelige Nacht.

In aller Herrgott’s Früh wurde dann der Klang des Weckers auf einmal komplett überflüssig, als der nun stark herrschende Wind einen Fensterladen auf bließ, was das allerdeutlichste und überaus herrliche Zeichen für uns war endlich Aufstehn zu dürfen..:)

Bei super Wetter und starkm Pfeifen um die Hütte nur noch schnell aufgeräumt, Debreziner-Frühstück, Gedankenblitz von PowderParty-Gipfel-Schild, Ofen angeheizt, fast glühendes Ofen-“Tool” für die Buchstaben P,O,W,D,E,R, P,A,R,T,Y, K,O,P,’F benützt und dann gings auch schon wieder auf die Ski.

Trotz starkem Bruchharsch, ca. 40 ° Steigung und Kletterpartie oben raus, konnte uns der Hausberg alias Karleskopf(2901m) nicht wirklich viel entgegen setzen.

Nach kurzem Gipfelbucheintrag gings auch schon sofort zur ersten kleinen Abfahrt wieder herunter um einen nach unserem Wissen bisher unbestiegenen, namelosen Berg zu erklimmen und eine Mission zu erfüllen.
Diese hieß den ersten offiziellen PP Berg bzw. Gipfel zu küren.

Schwierige Bedingungen zwangen uns die Skier auf halber Strecke zurück zu lassen, führten jedoch zu solch einer immensen Gipfelgeilheit, was uns ziemlich zügig das Pitztaler Jöchl auf mittlerweile 3001m passieren und uns in die ursprüngliche Haltung, eines jenen Menschen lang vor unserer Zeit, übergehen ließ.

Nun befanden wir uns auf dem rutschigen Nord-Grad, welcher nur mit qualitativ hochwertiger Ausrüstung und bei guten Bedingungen zu empfehlen ist…

Da Hartschalenschuhe sowie schneebedeckte Steinplatten dem nicht unbedingt entsprechen, mussten wir wohl oder übel 15 m vor dem Gipfel (welcher der From eines männlichen Gliedes entsprach) kurzzeitig ein anderes kleines Felsli zum PP-Kopf umfulnktionieren. (oder alternativ: Halt machen, ohne Chance auf ein Weiterkommen..) Der Berg hat gewonnen…

Das Gute an der Sache ist, wir haben definitiv einen Grund zum Wiederkommen, besonders mit der Wildspitze im Hinterkopf.. Jetzt wieder zurück zu den Skiern, bei Orkanstärke schnell was gegessen und dann auf teils Harsch und Puder im rassigen Wechsel abgefahren mit kleinem Gegenanstieg vor dem Mittelbergferner.. Jetzt nur noch Laufenlassen und dann ging es viel zu schnell, dass wir wieder unten waren(wer kennt das nicht..) und von zwei astreinen Apfelstrudel mit Sahne u Vanilleis im Gasthof Steinbock emfangen wurden.

Ja, ja, ja! Sonnige Berge eisige Höhen Bergvagabunden sind wir!