Powder Party 2013 – Bericht online

Schlofe’ kaasch, Uffsteh’ muusch!

Nach rekordverdächtig schnellem Einkaufen und Rucksackpacken, dem phänomenalen Wurstsalat von Mama Michelfelder (es wird gemunkelt, mancher gehe nur deswegen jedes Jahr mit auf die Powder Party…) und einigen Wurmlinger Hirsch-Bieren, schauten wir uns zur schweißfreien Einstimmung noch die PP-Filme der vergangenen Jahre an. Dadurch wurde allerdings die Lust ins Bett zu gehen dermaßen getrübt, dass wir es auch im 6. Jahr nicht schafften, viel mehr als 3 Stunden zu schlafen.
In aller Herrgottsfrüh saßen wir im Auto und machten uns auf den Weg nach Lindau, um unsere restlichen Gefährten aufzulesen und auf die Autos zu verteilen. Wenige Stunden später standen wir bei strahlendem Sonnenschein abmarschbereit auf dem Wanderparkplatz in St. Antönien, um uns in T-Shirts und hochgekrempelten Skihosen die sonnenverwöhnten Schneehänge vorzunehmen. Der Schweiß floss in Strömen und die ersehnte Vesper- & Trinkpause ließ zum Glück nicht allzu lange auf sich warten, da das dürftige Frühstück sich schon bald unbemerkbar gemacht hatte. Zudem ist Brotzeit bekanntlich ja auch die schönste Zeit (frei nach TrommBert), weshalb wir uns entsprechend viel dieser Zeit ließen, um die Sonne und Schwätzchen mit lange nicht gesehenen Freunden zu genießen.
Aufstieg zur Carschina Hütte mit Sulzfluh im Hintergrund
Nach dieser Stärkung ging es hügelig weiter und unser Ziel, die Carschinahütte, war schon weithin sichtbar. Als diese nur noch wenige Meter zu unserer rechten lag, entschlossen wir uns spontan das Tagesziel auf einen kleinen Gipfel zu verlegen und stapften noch die letzten Höhenmeter auf den Haus-Haus-Berg der Hütte weiter.

Dort oben angekommen kam das diesjährige Gruppen-Gimmick zum Vorschein, mit dem Ben uns in den Wochen zuvor dank mikroskopischer Fotoausschnitten und kargen Andeutungen auf die Folter gespannt hatte. Erst nach eingehender Erklärung verstanden wir Sinn und Zweck des Steckens, den Ben in stundenlanger Fleißarbeit geschnitzt und mit eingebrannten Schnupftabak-Sprüchen verziert hatte. Nun haben wir endlich eine Vorrichtung, bei der man zu sechst, auf einem schmalen Grat stehend, gemeinsam dem Gipfelpriis frönen kann! Die richtig synchronisierte Anwendung benötigte zwar einige Versuche, aber wir waren von Bens detailverliebter Hingabe dermaßen angetan, dass sich bei einigen ein Tränchen beobachten ließ, welches sich seinen Weg über die Backe bahnte 😉

Schnupfen a la Ben - Vorrichtung zum Gruppen-Gipfelpriis

Gruppenbild Hausbergle

Auf der Hütte angekommen heizten wir zunächst den Ofen an und begannen mit dem üblichen Hüttenleben: Schnee schmelzen, Vespern, Verdauen der Nebenprodukte und Schlafen.
Als die Nacht hereinbrach waren alle wieder einigermaßen munter und hungrig, weshalb das erste von drei grandiosen Abendessen auf dem Speiseplan stand: selbstgemachte Rindsrouladen und handgemachte Spätzle, dazu der zur Soße passende Rotwein und die ersten von zahlreichen Bieren, die im Tal den Weg in unsere Rucksäcke gefunden hatten. Auch unsere Hüttenmitbewohner und deren Hund Filou waren von dem Essen sehr angetan, aber frei nach unseren eigenen Liedzeilen: “…Rouladen wurden nicht geteilt!”
Nach dem ein oder anderen Verdauungsspaziergang zum Plumpsklo, ließen wir den Abend in geselliger Runde bei ein paar Bier, Priis und Liedern ausklingen.

Frühstücke’ kaasch, Saufe’ muusch!

Nicht viel später als am Vortag klingelten die Wecker, da wir die frühen Morgenstunden und das kurze dafür vorhergesagte Sonnenfenster nutzen wollten. Nach dem üblichen Trubel in der Stube waren irgendwann alle draußen versammelt und hatten aufgefellt bzw. die Schneeschuhe angeschnallt. Mit angeknipsten Stirnlampen machten wir uns auf Richtung Drusator, welchen wir recht zügig erreichten (unseren Sprachgepflogenheiten nach liegt die Betonung nicht auf “tor” sondern auf “ator”; daher ist das Wort auch nicht sächlich, sondern männlich). Mit dem kräfitg blasenden Südwind im Rücken machten wir uns abfahrtbereit, um den im Schatten liegenden Nordhang zur Lindauer Hütte in Angriff zu nehmen.

Überquerung des Drusators in den frühen Morgenstunden

Nach einigen herrlichen Powder-Schwüngen und einigen nicht so herrlichen Harschschollen erreichten wir kurz vor acht Uhr morgens die Hütte, auf der sich gerade die ersten Halbpensionsgäste startklar für ihre Tagestouren machten. In der Stube, wo noch hektisches Treiben herrschte, wurden wir nach unserem Frühstückswunsch gefragt, den wir sogleich mit “7 Bier” beantworteten. Nachdem die letzten Gäste verwundert feststellen mussten, dass wir die Hälfte unseres Tagesziels schon erreicht hatten, legte sich allmählich der Trubel und wir hatten für die nächsten beiden Stunden die Gaststube für uns alleine.
Nach Apfelstrudel und Germknödeln (und weiteren Erfrischungsgetränken) machten auch wir uns wieder auf den Weg und erklommen dieses Mal von der anderen Seite aus den Drusator. Nach den ersten paar hundert Höhenmetern entschlossen sich einige von uns, das Sahnestück der Powder-Abfahrt zu wiederholen. Zurück über die Schweizer Grenze und zur Hütte, schnappten wir uns ein paar Bier und Philipp, der leider auf der Hütte ausharren musste, und gingen abermals auf den Haus-Haus-Berg, um dort ein kleines Vesper-Rondell zu graben und einer Bierverköstigung beizuwohnen.

Nach einer weiteren Mittagsschlaf-Runde im Matrazenlager gab es abends nach einer Hochzeitssuppe Spätzles-Käs (das Verhältnis wurde umgekehrt) mit angerösteten Zwiebeln und 1A Bratwürsten (grobe!), gefolgt von Orangen-Milchschaum zwischen Waffelgebäck, einer ostdeutschen Spezialität von Martins Oma, sowie einer grandiosen Feuerzangenbowle, die so manches Silvester-Feuerwerk in den Schatten gestellt hätte.

Gaumenschmaus am zweiten Hüttenabend: Rostbratwürste mit selbstgemachten Spätzle

Chille’ kaasch, Gipfeln muusch!

Am dritten Tag wollten wir uns die Gipfel rund um die Hütte vornehmen. Zügig ging es zunächst auf den Schafberg, den offiziellen Hausberg der Hütte. Begleitet von einigen Dohlen kamen wir auf einer Insel im Wolkenmeer an, ein unwirklicher und zugleich einmaliger Anblick – dem Himmel näher als allem anderen…

Aufstieg auf den Schafberg - Hausberg der Carschina Hütte

Gipfelfoto Schafberg

Nach kurzer Rast, Gipfelpriis und -foto wurde umgeschnallt und so weit es ging die letzten Powder-Reste in den Nordhängen angefahren. Auch, um die Stürze etwas weicher zu gestalten als auf den harten Ost- und Südhängen 😉
Abermals ging es im Aufstiegsmodus weiter, dieses Mal auf den Gierenspitz, der nach einer Wechtenüberschreitung per Gratquerung erreicht wurde, stets von Philipps Teleobjektiv von der Hütte aus mit der Kamera verfolgt.

Gipfelfoto Gipfsköplfe Gierenspitz

Leider verschlechterte sich das Wetter zusehends, weshalb das geplante Gipfelfrühstück bis zur Rückkehr in die warme Stube aufgeschoben wurde. Im Blindflug ging es wieder bergab, schemenhaft ließ sich die Kontur der Gruppe im Nebel erahnen. Da die schlechte Sicht keinerlei Orientierung an Geländepunkten mehr zuließ, kam bald der Kompass zum Einsatz, um, gepaart mit der Angabe des Höhenmessers, eine ungefähre Marschrichtung einzuschlagen. Immer einer Höhenlinie folgend, ging es wie bei einem Spaziergang am Ufer einer Insel entlang rings um die Hügel herum, bis wir nach einer letzten kurzen Abfahrt wieder unsere altbekannte Aufstiegsspur fanden, die uns in wenigen Minuten wieder zur Hütte führte.

Nach einem weiteren Gimmick, einer Churchill-Zigarre mit Powder Party-Banderole für jeden, gefolgt von unserem obligatorischen Gruppenfoto, versüßten wir uns den Nachmittag mit unserem übrigen Vesper, Süßigkeiten und Bier. Die Sonne war bereits untergegangen, als eine sichtlich erschöpfte 4er-Gruppe die Stube betrat. Deren Laune besserte sich beim Anblick unseres Dosenpfands im Wert von ca. 5 Euro gefolgt von den ungeschönten Erzählungen über unseren Menüplan der vergangenen Tage allerdings auch nicht merkbar. Als wir gemeinsam auf dem Herd kochten und unser mehrgängiges Abendessen (viererlei Tortellini, gefolgt von flambierten Apfelschnitzen auf Stracciatella-Paradiescreme) mit ihrem Tütenessen “um die Wette” duftete, war es um die Gruppenmoral der vier vollends geschehen, weshalb zwei der Jungs das Heil in der Flucht suchten und uns in der Essstube Gesellschaft leisteten, während ihre Kollegen bereits im Nachbarraum vor sich hinschlummerten. Mit zwei Gläschen Stroh 80 als Hauptpreis, lobten wir einen kleinen “Brain Teaser-Wettbewerb” aus, bei dem die beiden (Lehrer!) allerdings kläglich scheiterten. Nichtsdestotrotz bekamen sie für ihren Unterhaltungswert ihre wohlverdiente Belohnung. Verewigt wurden sie zudem kurz darauf mit einer eigenen Liedzeile in unserem Powder Party-Lied.

Gruppenfoto vor der Carschina Hütte

Churchill Powder Party Zigarren als Gimmick

Skifahr’n kaasch, Powdern muusch!

Am nächsten morgen hieß es mal wieder viel zu früh (sowohl Uhrzeit als auch Tourentage betreffend): Abfahrt! Geplant war noch die Erklimmung des Rotspitz, welche wir allerdings aufgrund der mangelnden Sicht und nicht zu erwartenden Besserung schon bald auf die To-Do-Liste für die kommenden Touren setzten. Nach dem alljährlichen Abschiedssingen machten wir uns an die Abfahrt. Da wir nur wussten, wo es runter ging, aber nicht, wie es dort aussah, schickten wir “Späher” voraus, die wagemutig in die vor uns liegenden Hügel und Löcher fuhren und damit ihre Rücken entweder stauchten oder streckten. Dabei verabschiedete sich auch noch Flos Bindung vom Snowboard, die aber nach einer kurzen Reparatur wieder einsatzbereit war. Als Abschiedsgeschenk wartete noch ein breiter Powder-Hang oberhalb von Partnun auf uns, auf dem es sich beinahe wie auf einer frisch eingeschneiten Piste fahren ließ. So konnten wir bis zum Parkplatz abfahren und traten nach der Button-Verleihung den Heimweg an. Zuhause angekommen und frisch geduscht im Bettchen liegend, dachte bestimmt jeder noch sehnsüchtig an die vergangenen Tage “da droben auf’m Berge, wo d’Welt noch gesund isch!

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