2026 – Franz-Senn Hütte

Ein Wochenende voller kleiner Dramen, großer Ausblicke und kluger Entscheidungen. Bereits in der Nacht vor der Abfahrt erreichte uns eine folgenschwere Nachricht aus der Materialabteilung: Ein Powder musste vermelden: Operation geglückt, Patient tot. Das gute Material war erfolgreich kaputt repariert worden und trat die Reise somit nicht an. Schweren Herzens, aber mit vollständiger Ausrüstung, zogen wir ohne ihn los.

Karlsruher und Münchner Powders trafen sich am Parkplatz und ein schöner Aufstieg begann. Eine Querung durch eine Steilwand auf gehauenem Weg ließ uns kurz glauben, wir seien am Alpini-Steig in den Dolomiten unterwegs. Die Spur war gut gesetzt, die Stimmung heiter, die Schneelage hingegen verlangte Aufmerksamkeit – ein schneearmer Winter zwingt eben zu feinfühliger Routenwahl und eleganten Bögen um Steine herum.

Bei strahlender Sonne erreichten wir die Hütte. Erste Amtshandlung: Schuhe ausziehen und auf Socken ins Lager schlurfen. Zehn Minuten später ein dumpfes Grollen – eine Dachlawine hatte sich gelöst und unsere Schuhe verschüttet. Zum Glück nur teilweise. Eine rasch eingeleitete Bergung verlief erfolgreich, auch wenn die Schuhe bekanntermaßen nicht mit LVS-Geräten ausgestattet waren. Man lernt nie aus.

Zum Abschluss des Tages bestiegen wir noch einen formschönen, exponierten „Titanic-Gipfel“ mit Kreuz mitten im Hang zum Sommerwandferner. Abgerundet durch einen Sonnenuntergang, untermalt von dumpfen Geräuschen. Ob es wirklich ferne Wumm-Geräusche waren oder Sprengungen im nahen Skigebiet konnte nicht abschließend geklärt werden. Eine Warnung waren sie allemal.

Am nächsten Tag teilten wir uns auf. Team 1 vervollständigte die Tour zur Kräulscharte. Ein zusätzlicher Abstecher auf einen Gletscherhang rundete den Tag ab und sorgte trotz durchwachsener Schneelage für großartige Schwünge. Team 2 nahm Kurs auf die Ruderhofspitze, musste jedoch aufgrund einer ausgeprägten Steilstufe und erhöhter Lawinenwarnstufe vernünftigerweise umkehren. Eine Entscheidung, die vielleicht keinen Gipfelsieg brachte, aber Respekt verdient.

In der Nacht fiel noch etwas Schnee. Am letzten Tag führte der Aufstieg zur Scharte des Vorderen Wilden Turms. Den ein oder anderen Stein mussten die Ski verkraften bis ein herrlicher Grat erreicht war. Eins war klar: dies wird nicht die Route für den Rückweg sein.

Im letzten Teil dank Klimawandel inzwischen beinahe gletscherfrei erreichbar… Praktisch und traurig zugleich. Pünktlich zum Ende des Aufstiegs klarte es auf, und wir wurden mit einer Abfahrt in bestem Sonnenschein belohnt. Erst weiche Schwünge, dann die Suche nach einem möglichst Stein-armen Weg durch das Minenfeld, dann noch etwas Ausdauersport auf der Zielgeraden durch das Tal zur Hütte. Insgesamt ein gelungener Tourentag und zum Abschluss eine wilde Abfahrt ins Tal macht alle glücklich.

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