Einsteigerhochtour 2013 auf den Gran Paradiso

„Der Gran Paradiso ist mit einer Höhe von 4061m der höchste Berg der Grajischen Alpen und gleichzeitig der höchste Berg, der mit seiner Basis vollständig auf italienischem Boden steht.“ – so steht es zumindest bei Wikipedia… und Bella Italia hat uns auch sonst nicht enttäuscht: Blauer Himmel, Sonne, 3-Gänge-Menü  auf der Hütte und süffiger Rotwein. Was will man mehr? Aber nun mal ganz von vorne.

 

Los ging es wie gewohnt früh: um 3.30Uhr am Freitag morgen stiegen fünf berglustige Herren (Marc, Mario, Julian, Till und Jérémie) und vier berglustige Damen (Susi, Nadine, Kathi und Katha) in den dunkelblauen Carsharing-Bus. Mit im Gepäck: Seile, Eispickel, Steigeisen, Rebschnüre, Helme, Klettergurte und vieles mehr. Schnell kehrte schläfrige Ruhe ein…naja fast. Zwei von uns  hatten sich viel zu erzählen zum Unmut von Marc, der deshalb kein Auge zubekam und als nächster fahren wollte. Als er dann fuhr, verstummten auch die letzten von uns.

 

So richtig wach wurden wir alle erst in Italien, wo wir uns im netten Ort Aosta in einer kleinen Bar einen Kaffee genehmigten. Außerdem gab es im Auto wundervolle Stärkung in Form von selbstgebackenen Pizzataschen und dergleichen.

 

Im Aostatal gab es bald einige Unstimmigkeiten, was den weiteren Weg anging. Marc schaltete auf der Rückbank schließlich sein Navi an. Jedoch kam von den Stimmen der letzten Reihe vorne scheinbar wenig an, denn es wurde doch einfach irgendwie gefahren, was zu leicht erhitzten Gemütern führte. Nadine jedoch schaffte es, mit ihrem Ausruf „schaut mal, eine alte Mauer“ 🙂 die allgemein vergnügliche Stimmung wieder herzustellen. Schließlich kamen wir auf dem Zielparkplatz an. Das Material wurde geprüft und verteilt, über die notwendigen Essensmengen, die man mitnehmen sollte wurde gesprochen und schon ging es – nach einem Gruppenfoto hoch motiviert auf den Weg nach oben.

 

Gruppenbild

 

Das Wetter war toll, den Aufstieg (ca. 800m) zur Hütte „Rifugio Vittorio Emanuele II.“ (2735 m) meisterten wir in knappen drei Stunden. Oben angekommen ließen wir uns direkt zu einer Siesta in der Nähe der Hütte nieder. Marc schien sichtlich erleichtert, angekommen zu sein. Und als er seinen Rucksack öffnete, wussten wir auch, weshalb: Er zog ein 5l (!)- Bierfass hervor, dass er den ganzen Aufstieg als Überraschung vor uns geheim gehalten hatte. Wir waren also bestens versorgt!! Und zu allem Überfluss (da freuten sich natürlich besonders die Männer) räkelte sich unweit eine Dame auf einer Bank und zog nach und nach immer noch ein Kleidungsstück mehr aus, bis sie schließlich nur noch im Bikini dalag…

Bevor wir dem Alkohol allerdings zu sehr verfielen, erinnerten wir uns an die noch vor uns liegende Spaltenbergungs-Übung. Also checkten wir auf der Hütte ein, bekamen ein 9er Zimmer nur für unsere Gruppe und zogen los, den Berg hinauf bis zum nächstgelegenen Schneefeld. Julian erklärte uns alles was wir wissen mussten. Reihum spielte jeder jede Position am Seil und die dazugehörigen Handgriffe einmal durch. So ganz reibungslos klappte es am Anfang dann doch nicht, einem schwirrte etwas der Kopf vor lauter Prusikknoten. Gegen 18 Uhr Abends machten wir uns verfroren auf den Rückweg zur Hütte – mit großer Vorfreude auf das warme Abendessen.

Hütte

Das fiel dann nach italienischer Art auch nicht zu knapp aus: Pasta, Hähnchenkeule mit Spinat und schließlich Pudding, Früchte oder Käse zum Nachtisch. Schon mit der Pasta kam auch der Durst und so ging Till los, um Rotwein zu besorgen. Zurück kam er mit einer 2l-Flasche Wein, die ziemlich schnell leer war und mit jedem Glas stieg die Heiterkeit an unserem Tisch merklich an. Wir waren mit Abstand der lauteste Tisch in der ganzen Stube und so kann man auch verstehen, dass uns am nächsten Tag auf dem Gipfel einer vom Nachbartisch wiedererkannte und uns mit einer „ihr-wart-das-doch-die gestern-so-viel-gesoffen-haben-Geste“ sichtlich amüsiert begrüßte. Es blieb nicht bei den zwei Litern, auch nicht bei dreien. Irgendwann siegte dann eigentlich auch nur die Vernunft und wir gingen gegen 22 Uhr zufrieden in unsere Betten.

 

Da keiner (!) von uns neun in der Nacht geschnarcht hatte, waren wir taufrisch, als um 3:30 Uhr morgens der Wecker klingelte. Das Frühstück fiel im Gegensatz zum Abendessen eher dürftig aus. Wir begnügten uns mit ein paar hellen Scheiben „Brot“ und einem braunen Heißgetränk und zogen mit immerhin 8 Stirnlampen los in die Dunkelheit. (Was für ein Sternenhimmel! – der absolute Wahnsinn.)

Sternennacht

 

Der Weg war kaum zu verfehlen, so viele helle Lichter säumten den Pfad, der sich vor uns über Geröll den Berghang hinauf schlängelte. Ab und zu kam es zu Staus, wenn die nicht sehr erfahrenen Gäste mit ihren Guides versuchten, eine kleine „Kletterstelle“ zu überwinden. Das erste Schneefeld überquerten wir noch ohne weitere Ausrüstung. Beim zweiten konnten wir bereits die Stirnlampen ausschalten, da sich am Horizont ein Schimmer der langsam aufgehenden Sonne abbildete, der schnell die schneebedeckten Hänge erleuchten ließ. Hier legte nun jeder seine Steigeisen an, nahm Pickel und Stock zur Hand und zog den Helm auf. Dann banden wir uns  – aufgeteilt in 2 Seilschaften – ins jeweilige Seil ein.

 

Aufstieg

 

So ging es nun weiter, in großen Abständen, jeder darauf achtend dass das Seil einigermaßen straff blieb. Julian erklärte uns, dass alle Seilschaften mit sehr kurzen Seilabständen Guides seien, die ihre Kunden hier hochschleppten. Das Seil sei aus psychologischen Gründen so kurz. Bei einem Sturz würden wahrscheinlich gleich alle mit hinuntergezogen. Eine solche Spezies besaß doch tatsächlich die Dreistigkeit, mit ihrer Seilschaft komplett quer über unser Seil zu stiefeln, anstatt einfach mal zwei Minuten zu warten… Allerhand!

 

Mit langsamen, gleichmäßigen Schritten und einigen Riegel-Pausen erspähten wir den Gipfel um die Mittagszeit. Trotz großer Anstrengungen und kleiner Erschöpfungserscheinungen erreichten ihn alle. WOW – für einige von uns der erste 4000er! Unsere Freude darüber ließ auch nicht durch die leicht überheblichen Sprüche fortgeschrittener Tourengeher nach („Mensch das ist das erste Mal, dass ich nur einen 4000er auf ner Tour mache…“ 🙂 Wir genossen die Aussicht auf das 360° Panorama mit Blick auf den Mont Blanc, das Matterhorn und die Poebene.

Panorama

Mit Besorgnis jedoch schauten wir auf die Menschenmassen, die sich auf den Hauptgipfel bis zur Madonnenstatue drängten. Eigentlich wollten wir da auch hoch, denn streng genommen waren wir ja noch nicht ganz auf dem Gipfel angelangt. Doch wir entschieden uns dagegen. Ein Teil der Gruppe stieg recht bald wieder ab in Richtung Hütte. Vier von uns hatten sich dazu entschieden, am Hauptgipfel vorbei zum Nebengipfel zu gehen und hinaufzuklettern. Julian kletterte vor, Till, Kathi und Katha hinterher, bis wir die letzten paar Meter geschichteter Steinplatten überwunden hatten. Was für ein Gefühl: Der Ausblick, die Tiefe um einen herum und der rauschende Wind in den Ohren… ok, bevor es nun zu poetisch wird… Wir kletterten wieder runter, sammelten Mario auf, der unsere Kletterpartie für einen kleinen Power-Nap in der Sonne genutzt hatte und machten uns auf den Abstieg zurück zur Hütte. Dort angekommen, schmerzten schon so einigen die Knie. Aber 800m Abstieg bis zum Parkplatz im Tal lagen uns ja noch bevor…

 

Davon schafften wir auch so ca. 250, bis die Hälfte unserer Gruppe plötzlich besorgt stehenblieb und sich über Mario beugte, der mit schmerzverzerrtem Gesicht am Wegesrand saß. Er hatte auf einmal an seinem bereits bandagierten Knie einen stechenden Schmerz, der ihm das Weitergehen unmöglich machte. Marc hatte sofort eine Ibu 600 zur Hand und während wir auf die Wirkung der Tablette warteten, verteilten wir einen Teil von Marios Sachen unter uns. Naja, eigentlich lud sich primär Marc den kompletten Rucksack noch auf seinen drauf und wir konnten den Abstieg fortsetzen. Bei allem Ernst ergab sich ein wahrhaftig lustiger Anblick, wenn man dem mit seinen Stöcken und einem steifen Bein dahin humpelnden Mario zusah: Forest Gump! 🙂

 

Das Passieren der Grenzen auf der Heimfahrt war ein großer Spaß, denn Susi hatte ihren Ausweis nicht dabei und so wurden die wildesten Theorien aufgestellt, wo wir jetzt wahrscheinlich wie kontrolliert werden würden. Das schöne an der Sache war: Es gab ja zwei Grenzen  : ) Aber wirklich schön war natürlich, dass es bei dem Spaß blieb und wir ohne Probleme wieder in Deutschland landeten. Direkt in Basel ging es dann gleich zum Burger King. Nicht ohne Grund, denn Katha und Till hatten eine bereits anderthalb Jahre alte Wette einzulösen: Katha musste ein Big King XXL-Maxi-Menü schaffen und noch einen Big King XXL hinterher. Zum Glück hatte die Hero Cam keinen Akku mehr, denn sehr schnell wurde klar, dass der Versuch kläglich scheitern würde. Der 2. Burger wurde brüderlich unter den anderen geteilt. Und hey: Es war ja auch schon 23 Uhr Abends :)…

 

Nach diesem Power-Tag (3:30 Aufstehen, 1327m Aufstieg, 2127m Abstieg und knapp 6 Stunden Heimfahrt) kamen wir um 1 Uhr nachts wieder in Karlsruhe an. Vielen Dank an die tapferen Fahrer und die tolle Organisation. Eine Tour, die Spaß auf mehr macht – so muss es sein!

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