2016 – Skitourenwochenende im Allgäu

Nach dem durchwachsenen Winterauftakt mit sehr instabilen Bedingungen brachte der Januar die lange ersehnten Schneefälle und somit auch endlich vernünftige Tourenbedingungen. So machten sich 8 Powders am Karnevalswochenende auf ins Kleinwalsertal, um dem bunten Faschingstreiben zu entfliehen und stattdessen ein paar zünftige Allgäuer Gipfel zu erklimmen.

Wir trafen uns am Freitag mehr oder weniger pünktlich um 13:30 an der KIT-Bib. Schnell waren Mensch und Material auf die Autos verteilt und es ging los in Richtung Oberstdorf. Am Stuttgarter Flughafen wurde noch Christian eingesammelt, um gemeinsam die erste Herausforderung des Wochenendes in Angriff zu nehmen, welche die Kameradschaft der Gruppe schon gleich auf eine harte Probe stellen sollte: Einen 60-Minuten-Stau am Albaufstieg! Während sich das erste Auto mit Lukas, Vinc und Christian von Dr. Google auf die Landstraße leiten ließ, ignorierte die Seilschaft in Fabis Bus sämtliche Warnungen aus dem Basislager und setzte unbeirrt ihren Weg zum Gipfel fort. Glücklicherweise werden Fehlentscheidungen auf 700 Höhenmetern aber nicht allzu hart bestraft und so erreichte auch der Bus zwar mit leichter Verspätung, aber dennoch sicher gegen 18:30 den Tourenparkplatz der Ifenbahn. Gemeinsam wurde aufgefellt und mit Stirnlampe und erfreulich leichten Rucksäcken –  schließlich ging es auf die bewirtete Schwarzwasserhütte – nahm man den ca. zweistündigen Zustieg mit Aussicht auf ein leckeres Abendessen sowie zahlreiche Biere in Angriff. Der Weg war dank breiter Spur gut sicht- und begehbar und die Gruppe erfreute sich an der nächtlichen Idylle unter einem grandiosen Sternenhimmel. Auf ca. halber Strecke ließ sich Lukas dann kurz zurückfallen, um einer drohenden Blase am Fuß mit etwas Tape entgegenzuwirken. Nach der kurzen Versorgungspause zerbrach beim Anschnallen seines Skis allerdings ein Teil seiner Bindung, was dazu führte, dass er sich demobilisiert und allein am nächtlichen Berg wiederfand. Nach kurzer Situationsanalyse (Biwacksack: Check!) erinnerte er sich aber glücklicherweise an das altbewährte “Engineering Flowchart” und mit etwas Tape ließ sich die Bindung zumindest so notdürftig am Ski fixieren, dass er den Aufstieg fortsetzen konnte. Wenig später traf er auch Vinc und Marc wieder, die auf das fehlende Gruppenmitglied gewartet hatten und auch die drei Nachzügler erreichten gegen 21:30 die Hütte. Dank Fabis Überzeugungskraft wartete hier noch ein warmes Bergsteigeressen auf die Weitgereisten und alle lachten über Vinc’s köstlichen Scherz, als er verkündete, dass es nach dem ersten Bier leider kein weiteres mehr geben würde. Als die Wirtsleute allerdings diesen Witz mehrfach vehement wiederholten (“dannmussmanhaltmaleinentagurlaubnehmen”) und wir auch noch ein Schild mit der Aufschrift “Ausschankschluss: 21:45” entdeckten, wurde aus der Befürchtung, durstig ins Bett gehen zu müssen, traurige Gewissheit. Scheinbar sahen wir jedoch so verzweifelt aus, dass der Juniorchef schließlich doch noch ein Einsehen mit uns hatte und jedem eine Flasche Bier mit auf den Weg ins Nachtlager gab. Dieses stellte sich als sehr komfortabel heraus, da wir einige Meter vom Haupthaus entfernt unsere eigene kleine Hütte hatten – sehr gemütlich! Hier schmiedeten wir noch kurz den Schlachtplan für den nächsten Tag, genossen das hart erkämpfte Bier und legten uns schlafen.

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Der erste Tag startete um 7:30 mit einem leckeren Frühstücksbuffet, den ersten Sonnenstrahlen und der Aussicht auf einen tollen Tag bei bestem Pulverschnee, der erst wenige Tage zuvor gefallen war. Leider nicht für die ganze Gruppe, denn Lukas musste als erstes zurück ins Tal, um sich Ersatzmaterial zu organisieren. Für die restlichen 7 Powders standen gleich 4 verschiedene Gipfel und zahlreiche schöne Abfahrten auf dem Programm und so machte man sich frohen Mutes auf den Weg in Richtung Steinmandl, den ersten Berg des Tages.

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Statt die klassische Abfahrtsroute in Richtung Schwarzwasserhütte zu wählen, entschieden wir uns zu einer bisher unverspurten Abfahrt über den Nordosthang des Gipfels. Hier wurden wir mit prächtigen Powderreservern für den Aufstieg entlohnt.

Es folgte eine Umrundung des Steinmandels, bei der wir uns geographisch nun schon im Kleinwalsertal befanden. Im Anschluss erklommen wir über eine steile Flanke den Gipfel des Falzer Kopfs. Hier war echtes Spitzkehrenkönnen gefragt! Oben gab es dann endlich das lang ersehnte Vesper im besten Sonnenschein und überragender Aussicht.

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Am frühen Nachmittag wurde dann mit dem Hehlekopf der letzte Gipfel des Tages über dessen Südflanke in Angriff genommen. Oben wurde dann wie geplant Lukas wieder getroffen, der mit neuen Skiern den Weg aus dem Tal über die Nordseite aufgestiegen war. Nach dem letzten “Berg Heil” des Tages ging es dann zurück in Richtung Hütte. Marc, Vinc, Fabi und Stefan hatten allerdings immer noch nicht genug und nahmen eine weitere Abfahrt mit, nach der sie nochmal ein kurzes Stück aufsteigen mussten, um wieder auf die Schlussabfahrt zur Hütte zu gelangen. Glücklich und ausgepowert trafen sich alle im Quartier wieder und freuten sich auf das Abendessen und die deutlich längere Zeit bis zum Ausschankschluss. Nach einem gemütlichen Hüttenabend mit ein paar Runden Doppelkopf, vielen Geschichten und zufriedenstellender Getränkeversorgung ging es zeitig ins Bett, um den Akku für den Folgetag wieder aufzuladen.

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Dieser begann dank Antreiber Vinc ziemlich früh: Um 5:30 wurde der Schönheitsschlaf beendet, um noch vor Sonnenaufgang erneut das Steinmandl in Angriff zu nehmen. Bis auf zwei angeschlagene Gruppenmitglieder schafften es auch alle aus den Federn und standen abmarschbereit um 6:00 vor der Hütte. Der Aufstieg gestaltete sich unangenehm, da der festgefrorene Sulz vom letzten Tag äußerst schwierig zu begehen war. Einige holten ihre Harscheisen raus, für die anderen wurde die Fortgeschrittenentour ihrem Namen nun endlich gerecht.

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Trotz einiger Nervenkitzler schafften es aber alle sicher zum Gipfel. Dort wartete neben einem tollen Panorama bei Sonnenaufgang auch ein ausgewachsener Föhnsturm auf uns, der das Abfellen zu einer echten Herausforderung machte – jedenfalls für diejenigen, die nicht so schlau waren, schon vor dem Gipfel ein windgeschütztes Skidepot einzurichten.

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Die Abfahrt konnte aufgrund der Schneequalität nicht wirklich überzeugen, aber das frühe Gipfelglück und die Freude auf das bestellte Brunchbuffet mit Rührei, Lachs und Belugakaviar ließen uns darüber hinweg sehen. Als wir dann um 8:30 die Hütte betraten, ernteten wir zahlreiche verdutzten Blicke der sich im Aufbruch befindlichen anderen Gruppen. “Faule Bande” wird sich da der ein oder andere gedacht haben – von wegen! Beim Frühstück wurde unsere Leistung dann aber glücklicherweise doch noch anerkannt, da unser Tischnachbar den frühen Aufbruch registriert hatte und uns zu unserem Tatendrang beglückwünschte. Nach der ausgiebigen Stärkung wurde dann zunächst die Hütte geräumt, anschließend ging es erneut auf den Hehlekopf, diesmal allerdings um von dort über die Nordseite ins Tal abzufahren – den Weg, den Lukas tags zuvor aufgestiegen war und wärmstens für eine tolle Powderabfahrt weiterempfohlen hatte. Der Aufstieg gestaltete sich bis auf eine abgenagte Gams auf halber Strecke (es gibt einen Wolf im Kleinwalsertal!) unspektakulär. Die Abfahrt hielt dann zumindest im oberen Teil auch, was sie versprach. Abwechslungreiches Gelände mit, dank Nordlage, pulverigem Schnee ließen die Freeriderherzen höher schlagen. Nach halber Strecke erreichten wir die Baumgrenze, wo die Schneequalität rasch nachließ. Trotzdem konnten wir noch ein paar spaßige Turns in den unberührten Sulz setzen. An der Abzweigung ins Tal verabschiedeten sich dann Stefan und Lukas, die sich tags zuvor entschieden hatten, noch einen Tag länger zu bleiben. Für den Rest der Gruppe ging es weiter talwärts und mit voll beladenem Bus zurück nach Karlsruhe.

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Für die zwei Verlängerer ging es nach einem sonnigen Vesper wieder bergauf in Richtung Hütte. Hierbei wurde der Aufstieg durch eine vielversprechende Waldschneise mit vorheriger Flussquerung dem langweiligen Hüttenweg vorgezogen. Die Befürchtungen, die wenigen Abfahrtsspuren könnten von den gleichen 5 Trotteln sein, die hier zuvor eine Aufstiegsspur ins nichts angelegt hatten, erwiesen sich als unbegründet und nach gut 1,5 Stunden erreichten wir vertrautes Gebiet. Die Idee einer zusätzlichen Abfahrt wurde allerdings in der Aussicht auf einen der berühmten Schwarzwasser-Kaiserschmarren schnell wieder verworfen.

Da unsere vertraute Nachbarhütte nun nach Abzug der Wochenendtouris wieder verrammelt wurde, bezogen wir zunächst das Matratzenlager im Haupthaus. Da auch hier nun deutlich weniger los war als zuvor, bekamen wir unser Abendessen schon mit der “Frühschicht” um 17:30. Nachdem wir dieses verspeist hatten, machten sich die Strapazen des Tages deutlich bemerkbar, doch um 18:23 kann man ja schlecht schon ins Bett gehen. Es entwickelte sich ein kurzer Dialog, der sich von dort an für der Rest des Abends circa alle halbe Stunde wiederholen sollte: “Wie spät?” – “Zu früh” – “Zwei Hefe…”

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Nach einer dennoch langen und erholsamen Nacht begann der Montag mit einem erfreuten Blick aus dem Fenster: Der Wetterbericht hatte Recht behalten und Frau Holle extra für uns rund 20 Zentimeter fluffigen Powder abgeworfen. Voller Vorfreude machten wir uns startklar. Die Route hatten wir am Vorabend bereits auserkoren: Nach dem Aufstieg auf das eindrucksvolle Grünhorn sollte uns unser Weg über das Walmendinger Horn und die Ochsenhofer Scharte (wer kennt sie nicht…) zurück ins Tal führen. Aufgrund diverser steiler Nordhänge bei Lawinenwarnstufe 2-3 zwar nicht ganz ungefährlich, laut Hüttenwirt jedoch machbar. Unser Weg führte uns bei strahlendem Sonnenschein zunächst durch das leicht ansteigende Gelände vor der Hütte und wir genossen den traumhaften Ausblick auf die frisch verschneite Bergwelt. Nach einer knappen Stunde erreichten wir dann die Schlüsselstelle des Aufstieges: Es galt, zunächst einen ca. 500 Meter langen und offenen Nordhang mit ca. 35 Grad zu queren, um dann anschließend in Spitzkehren durch eine rund 40 Grad steile Scharte aufzusteigen. Zwar war der Weg am frühen Morgen bereits von einem mutigen Einzelkämpfer mitsamt Schäferhund begangen worden, dennoch stuften wir die Route vor Ort dann doch als zu riskant ein und entschieden uns zum Abbruch. Eine traumhafte Powderabfahrt zurück zur Hütte entschädigte jedoch für den verpassten Gipfel. So ging es dann im Anschluss ein weiteres Mal auf den Hehlekopf, um die gleiche Route einzuschlagen, wie der Rest der Gruppe am Vortag.

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Auch hier wurden unsere Mühen mit tollem, unberührtem Pulverschnee belohnt, der so viel Spaß machte, dass wir uns entschieden, noch einen weiteren Gipfel mitzunehmen. Hier fanden wir schon am Aufstieg Gefallen, da wir bei genialem Panorama als erste unsere Spur in den frischen Schnee legen durften, was zwar anstrengend ist, aber deutlich mehr Spaß macht, als lediglich einer getretenen Route hinterher zu stapfen.

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Nach einem windigen Vesper auf dem Gipfel genossen wir auch die letzte Abfahrt zurück zum Parkplatz im Tal und traten ausgepowert, aber glücklich die Heimfahrt nach Karlsruhe an. Alles in allem ein super Wochenende, an dem sicher keiner von uns den Karnevalsrummel vermmisst hat. Für das nächste Jahr ist die Hütte übrigens schon reserviert…

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