2017 – Selvaggio Blu

Tag 1: 14.04.2017

Nach einer überpünktlichen Abfahrt um 6:58 Uhr freuten wir uns auf der Scheibe des Stadtmobils schon eine Vignette kleben zu haben und Jonas beamt uns so bester Laune bis nach Luzern. Kaum übernimmt Moritz das Steuer stehen wir im Stau vor dem Gotthard Tunnel. 3,5 Stunden lang. Doch auch diese Zeit überbrücken wir mit allerbester Laune und üben uns im Kniffel spielen im Stau (Highscore Moritz mit 323 Punkten).

Nach Besuch eines bis zum Eichstrich gefüllten Dixi-Klos muss Joanna einen Sprint einlegen, um das Auto noch zu erwischen. Blockabfertigung ist eben unberechenbar. Nach erneutem Fahrerwechsel macht Moritz eine tolle Kurzgeschichte von Andreas Eschbach an: „Der Albtraummann“. Absolutes Highlight. Die Jungs können sich absolut glücklich schätzen, dass sie sofort einschlafen.

Auch nach dem Gotthard entkommen wir dem Stau nicht, ganz Italien scheint ein Stau zu sein. Als Jonas das Steuer übernimmt, geht es wieder voran und endlich sitzt wieder jemand am Steuer, dessen Arme lang genug für die Mautstationen sind.

Nach 12,5 Stunden Fahrt bringt uns Moritz dann den „Porto“-Schildern folgend in Livorno zu unserem Tagesziel. Satz des Abends: „Ich bin doch kein Lüger, ihr seid einfach zu klein, um die Fähre zu sehen.“

Tag 2: 15.04.2017

Da Salvatore am Steuer ist als wir die Fähre verlassen, werden wir sofort nachdem wir wieder festen Boden unter den Reifen haben auf Drogen untersucht. Die italienische Schnüffelnase konnte jedoch nichts finden. Nachdem wir uns mit 160L Wasser eingedeckt haben, sind wir nach Baunei abgedüst.

Der Weg zu unserem ersten Food-Drop gestaltete sich jedoch so schwierig, dass wir unseren Ford Focus irgendwann am Straßenrand stehen lassen mussten und zwei Food-Drops auf einmal in die Rucksäcke packen mussten (48 Liter Wasser + Essen für zwei Tage).

Schon auf dem Weg zum ersten Food-Drop erkannten wir schnell die Schwierigkeit, die uns wohl auch die nächste Woche begleiten wird: Wegfindung. Trotz Karte im 1:15000 Maßstab und GPS Gerät brauchten wir 2,5 Stunden für die 800m Luftlinie vom Auto und wieder zurück. In Cala Sisine konnten wir verlassene Tretboote und Kanus spotten. Im Dunkeln sind wir dann zurückgelaufen und dank intensiver Gespräche tauchte plötzlich ein Auto, unser Auto, vor uns in der Dunkelheit auf.

Nach einer kurzen Footage-Session vom Schotterweg-Geballer haben wir auch festgestellt, dass es sich im Dunkeln besser fährt als bei Sonnenlicht (dann sieht man nicht wie schlecht der Schotterweg ist). Moritz fährt uns meisterhaft zu unserem ersten Zeltplatz. Zum Abschluss des Tages lernten wir noch einen netten Esel kennen, der mindestens genauso viel Hunger hat wie wir.

Tag 3: 16.04.2017

Pünktliche Ankunft um 8 Uhr in Santa Maria Navarrese bei der Autovermietung, die nicht existierte. Zum Glück treffen wir einen netten Restaurantbesitzer, der uns mit Internet und Bekanntschaft mit Kollegen von Autovermieter Barca weiterhilft. Wie sich kurz darauf rausstellt, gibt es kein Auto für uns und wir müssen unsere Pläne komplett umstellen. Das machen wir dann bei einem fetten Osterfrühstück im Hafen. Nachdem alles ausgetüftelt ist, brechen wir auf zu unserem nächsten Food Drop.

Am Anfang noch frohen Mutes machen wir ein paar sicke GoPro Aufnahmen und beobachten mit zunehmendem Unwohlsein, dass die Straße immer schlechter wird. Am Anfang noch unproblematisch, aber wie sich dann später zeigt das größte Problem: es geht die ganze Zeit bergab. Profis wie wir inzwischen sind haben wir FD2 dann direkt gefunden und das Unheil begann.

Der Erste auf der Hinfahrt nicht als Schlüsselstelle identifizierte Anstieg stellt uns vor große Probleme. Unser Ford Focus kommt an seine Grenzen und darüber hinaus. Nach 30 Minuten, einigem Kupplungsbelag und einigen Nerven versinkt die Welt in einer Staubwolke und der Ford schießt ziemlich unkontrolliert aus der Gefahrenzone. Weitere Schlüsselstellen meistern wir dann mit steigender Souveränität und sinkenden Hemmungen was unser Auto angeht. Unterbodenkontakte erschrecken hier keinen mehr.

Wir haben jedoch die Zeit ein bisschen aus den Augen verloren und merken plötzlich, dass Marc seit einer halben Stunde auf einen  von uns wartet, der ihn vom 100km entfernten Flughafen abholt. Um das Zeitproblem in den Griff zu bekommen, trennt sich die Gruppe und Jonas fährt zunehmend italienischer nach OIbia. Marc wird ereignislos eingesammelt und deutlich unter der geschätzten Ankunftszeit zurückgebeamt. Moritz und Joanna machen FD6 und gönnen sich frecherweise eine kleine schnelle Dusche auf dem Campingplatz sowie Ratatouille mit Reis. Erstes warmes Essen seit Donnerstagabend.

Tag 4: 17.04.2017

Heute mussten wir uns früh aus dem Bett quälen. Alle sind noch sau müde. Nach einem schnellen Frühstück packen wir unsere Rucksäcke für die Tour. Nach anschließender Fahrt zum Startpunkt Baunei unterbrechen wir noch zwei italienische Herren bei ihrem Kaffee-Zigaretten-Morgen-Tratsch für ein Gruppenbild von uns und dann geht es los.

Wir stapfen einen Berg hoch und höher bis zu einer Hirtenhütte und einem italienischen Touri-Parkplatz. Nun setzen wir den Weg mit verstärkter Hilfe des GPS-Geräts über messerscharfe Steine und mit ständiger Suche nach blauen Markierungen fort. Ständig hoch und runter, nach den ersten Schrammen an den Beinen nimmt die Hemmschwelle durch Büsche zu laufen auch stetig ab.

Auch wenn wir kurzzeitig immer mal wieder vom eigentlichen Track abkommen, führt uns das GPS- Gerät sicher zum ersten Food-Drop, der von allen aufgrund akutem Wassermangel herbeigesehnt wird. Diesen finden wir dann auch glücklicherweise unberührt vor. Jeder lädt sich nochmal 7kg in den Rucksack und muss somit den Gleichgewichtssinn für das Balancieren über die scharfkantigen Steine nochmal neu kalibrieren.

Nach anfänglichen Stöhnen über das zusätzliche Gewicht setzen wir den Weg mit der Zeit im Nacken fort. Immer und immer weiter ohne Weg wird durch das Gelände geballert. Ab und an sorgt eine blaue Markierung für freudige Ausrufe. Nach einiger Zeit bekommt Joanna starke Kopfschmerzen. Kurzerhand wurde die Technik „Ein Adler, drei Esel“ entwickelt und ausgeführt. Zum Glück konnte das Ibuprofen Joanna nach einiger Zeit heilen. Am Downhill-Kanal angekommen beginnt die Action. Eine Hirtenleiter führt über einen 10 Meter hohen Abgrund und fordert volles Vertrauen in die hiesigen Bauingenieure.

Es wird langsam dunkel und wir sind noch an keinem einzigen Schlafplatz vorbei gekommen. Über die folgende Kletterstelle UIAA III ziehen wir einfach mit allem drum und dran ungesichert drüber und beschließen die restlichen Kilometer bis Porto Pedrosu doch noch zurück zu legen.

Der Weg dorthin zieht sich sehr und Marc wird dabei von einem Ast fast vollständig durchbohrt. Nach einer kurzen Erste-Hilfe-Pause kommen wir schließlich um 21 Uhr an unserem Ziel an. Alle sind fertig und glücklich. Es gibt Nudeln mit Pesto und sogar noch ein Feuer. Dann fallen alle müde auf ihre Isomatten und schwitzen ab dann in Ihren Schlafsäcken. Gehzeit erster Wandertag: 11h30.

Tag 5: 18.04.2017

Morgens gehen wir dann direkt Schwimmen im steinernen Hafen: traumhaft schön so bei Tageslicht! Wieder einmal trödeln wir beim Frühstück und Zelte abbauen und kommen so erst nach zwei Stunden los. Motto des Tages: Immer der Nase nach. Statt der Küstenkante zu folgen gehen wir immer auf und ab von Nase zu Nase. Während dem Laufen lassen sich auch recht schnell Bedingungen an den Mittagspausenplatz formulieren: Aussicht und Schatten. Gefunden!

Auch nachdem wir uns gestärkt haben verlaufen wir uns weiter ständig. Unsere erste Abseilstelle der Tour verfehlen wir dann knapp, wir sind einige Höhenmeter zu hoch. Macht nichts, dann nehmen wir halt einen Baum der schön einladend an der Kante steht, um unser Seil zu fixieren.

Drei Wanderer und ein Humpler kommen dann im weiteren Verlauf des Tages am Steinstrand von Cala Goloritze an. Am Strand macht uns der Kassierer darauf aufmerksam, dass Camping am Strand verboten ist und die Ranger nachher kassieren kämen. Das bereitet uns Kopfzerbrechen und wir wägen die Alternativen ab. Wir entscheiden uns am besser (sicht-)geschützten Nachbarstrand zu schlafen und ein Besuch des Rangers bleibt dann zum Glück auch aus.

Tag 6: 19.04.2017

Nach einer windigen kalten Nacht wachen wir von den Geräuschen der an die Felsküste klatschenden Wellen auf. Kurz nach Loslaufen überrascht uns eine Kletterstelle die nicht in unserer Planung war. Doch so langsam bringt uns nichts mehr aus der Ruhe. Sehr schöne Wege entlang der Küste mit toller Sicht auf das Meer entlohnen für alle Strapazen.

Die erste Abseilstelle wartet auf uns mit Überhang direkt am Meer. Praktisch seilen wir uns direkt auf unser Rastplatz für das Mittagessen ab. Bei der ersten Kletterstelle bei der wir sichern, weil die Rucksäcke zu schwer sind schänden wir bei dem Versuch, einen Rucksack die Felswand hoch zu ziehen, diesen so richtig und steigen dann doch um auf Klettern mit Rucksack. Ab dann ist es nicht mehr weit zu unserem Schlafpunkt mit super Aussicht aber sehr viel Wind und eigentlich zu wenigen Schlafplätzen. Macht nichts, das alles wird mit einem Höllenfeuer kompensiert!

Tag 7: 20.04.2017

Die Nacht war gar nicht so schlimm wie erwartet, am Morgen jedoch sau kalt. Nach einem erneuten Feuer und Müsli-Session begannen wir mit dem Loslaufen.

Schon auf den ersten Metern verloren wir den Weg und entschlossen daher kurzerhand uns von unserem Schlafplatz abzuseilen. Auch nach dieser ersten Aktion wurden unsere Fähigkeiten den Weg zu finden nicht besser und so ballerten wir durch  ein Geröllfeld und die Macchia hoch auf das übernächste Felsband.

Bald merkten wir, dass sich unser Verständnis von „Weg“ seit Beginn der Woche stark verändert hatte. Das GPS-Gerät zeigte uns nach 3h rumeiern immer noch am Start und nur die Mule-Tracks die folgten konnten daran etwas ändern.

Abseilstelle Eins und Zwei des Tages folgten sobald und zauberten jedem ein Lächeln ins Gesicht. Beim Food-Drop wurden wir erstmal aufgrund krasser Fehlplanung 16 Liter los und duschten dort ausgiebig. Auch die Nudeln wurden der hiesigen Tierwelt gespendet. Die kommende Kletterstelle im vierten Grad meisterten wir mal eben so Free-Solo und genossen auch die weiteren zwei Abseilstellen (45m und 20m). Bei Letzteren wurden dann noch Seilklettertechniken ausprobiert und Baumkletterwissen ausgetauscht.

Angekommen in Cala Sisine mopsten wir uns sofort das zuvor gespottete Tretboot und hatten damit einen Riesenspaß in den Wellen. Das Kochen und Beisammensitzen am Feuer am Strand wurden durch den stärker werdenden Wind immer ungemütlicher, sodass nach Sonnenuntergang alle schnell in den Zelten verschwanden.

Tag 8: 21.04.2017

Die Nacht  war asozial kalt und ohne Umwege geht es nach dem Aufstehen direkt 700 hm nach oben. Es ist wieder höllenheiß, aber der Speedtrain nach Cala Luna heizt unaufhaltsam weiter. Das Tempo wird dann bei einer chilligen Mittagspause in Cala Luna am Strand rausgenommen und alle entspannen sich im Sonnenschein. Die Motivation auf den letzten Kilometern ist bei 0, der schlechte Weg tut sein Übriges.

Wir überlegen, wie wir am besten zum Auto kommen und entscheiden uns für Trampen. Moritz kann nicht bis 24 zählen und nachdem Joanna nach einer Minute das erste Auto klarmacht, geht es schon mal bis zum Tunnel. Zwei Stunden lang fährt kein Auto mehr an Ihnen vorbei, aber 10 Minuten vor Aufgabe des Vorhabens zum Startpunkt zu kommen, kommt das rettende Auto nach Baunei. Nach einer Portion Milchreis geht es dann auf dem Campingplatz ins Bett. Geschafft!

Es war auf jeden Fall eine geile und lohnenswerte Tour! Joanna, Marc, Moritz und Jonas.

 

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